MEDIZINSTUDIUM.at interviewte Fr. Prof. Fritsch von der MUI
O.Univ.Prof. Dr.med.univ. Helga Fritsch ist Direktorin der Division für klinisch funktionelle Anatomie an der Medizinischen Universität Innsbruck und Autorin vieler anatomiebezogener Werke (wie dem Taschenatlas Anatomie Band 2: Innere Organe).
In ihrer Funktion ist sie u.a. für die Organisation und Durchführung des "kleinen" Sezierkurses im 1. Semester und des "großen" Sezierkurses im 3. Semester verantwortlich. Außerdem hält sie die Vorlesung der Anatomie in den ersten beiden Semestern der Diplomstudiengänge Human- und Zahnmedizin, sowie des Bachelorstudiengangs Molekulare Medizin.
O.Univ.Prof. Dr.med.univ. Helga Fritsch ist Direktorin der Division für klinisch funktionelle Anatomie an der Medizinischen Universität Innsbruck und Autorin vieler anatomiebezogener Werke (wie dem Taschenatlas Anatomie Band 2: Innere Organe).
In ihrer Funktion ist sie u.a. für die Organisation und Durchführung des "kleinen" Sezierkurses im 1. Semester und des "großen" Sezierkurses im 3. Semester verantwortlich. Außerdem hält sie die Vorlesung der Anatomie in den ersten beiden Semestern der Diplomstudiengänge Human- und Zahnmedizin, sowie des Bachelorstudiengangs Molekulare Medizin.
MEDIZINSTUDIUM.at: Prof. Fritsch, warum haben Sie sich für die Anatomie entschieden?
Das Fach erschien mir während meines Medizinstudiums als wichtig. Es machte mir Freude als studentische Mitarbeiterin in der Anatomie zu arbeiten, so dass ich schließlich in diesem Fach auch promovierte. Geblieben bin ich in der Anatomie, weil ich glaubte in einem theoretischen Fach Karriere, Beruf und Familie in Einklang zu bringen.
MEDIZINSTUDIUM.at: Wie hat es Sie in die klinische Anatomie nach Innsbruck verschlagen?
Ich habe mich seinerzeit auf den Lehrstuhl für Anatomie in Innsbruck, der eine weitreichenden Reputation hat(te) beworben und den mir erteilten Ruf gerne angenommen.
MEDIZINSTUDIUM.at: Seit einigen Jahren wird der Eignungstest für das Medizinstudium (EMS) an den medizinischen Universitäten Innsbruck und Wien durchgeführt um aus der großen Zahl an Studienbewerbern die geeignetsten heraus zu filtern. Wie beurteilen Sie die Einführung des EMS?
Die Einführung des EMS war und ist eine notwendige Maßnahme, um bei enorm großer Studienbewerberzahl ein für alle gleichermaßen objektives, einigermaßen faires und für die Universitäten handhabbares Auswahlverfahren zu schaffen.
MEDIZINSTUDIUM.at: Erkennen Sie seit der EMS-Generation Unterschiede in der Leistung der Studierenden?
Die Studierenden der EMS Generation sind fleißig und leistungsorientiert, glauben jedoch z.T. mit dem EMS-Test bereits das Studium absolviert zu haben.
MEDIZINSTUDIUM.at: Warum wurde die Summative Integrierte Prüfung, im Anschluss an das Modell der Modulprüfungen vor einigen Jahren eingeführt und wie beurteilen Sie diese Entscheidung?
Die Summativ integrative Prüfung (SIP) wurde mit dem neuen Studienplan eingeführt, um das Wissen der Studierenden in mehreren Fachdisziplinen verknüpft, zeitgleich und objektiv zu überprüfen.
MEDIZINSTUDIUM.at: Die SIP ist an den medizinischen Universitäten Innsbruck und Wien vor allem im ersten Jahr eine große Hürde. Sie hat Ähnlichkeit mit den STEOP-Prüfungen anderer Studiengänge, die durchgeführt werden um die Anzahl der Studenten im ersten (und zweiten) Semester auf die, für das Studium geeigneten zu reduzieren. Hat die SIP einen solchen Hintergrund? Sollte eine solche Prüfung nach der Einführung des EMS nicht obsolet sein?
Nein, die SIPs dienen ebenso wie Praktikumsprüfungen dazu den vermittelten Lernstoff zu überprüfen und sollten – so sind sie jedenfalls angelegt – im direkten inhaltlichen Zusammenhang zu den Lehrveranstaltungen stehen und damit zu bestehen sein.
MEDIZINSTUDIUM.at: In den ersten beiden Studienjahren, sehen sich die Studenten der MUI gleich zwei Mal mit einem sehr zeitintensiven Sezierkurs konfrontiert, im Vergleich zum Wiener Curriculum. Dort findet der Sezierkurs einmal wöchentlich über drei Semester lang statt und wird mit Radiologie verknüpft und abgeprüft. Sie kennen vermutlich beide Seiten, warum hat sich die MUI dafür entschieden?
Die beiden Curricula unterscheiden sich nicht nur in den Sezierkursen, sondern auch darin, dass in Wien früher modular gelehrt wird als in Innsbruck, wo in den ersten drei Semester die sogenannten Grundlagenfächer mit Vorlesungen und Praktika untergebracht sind. Dies war in der damaligen Planung mit Lehrenden und Studierenden akkordiert. Die beiden Sezierkurse werden sehr von den Studierenden geschätzt, ebenso und insbesondere von den KollegenInnen in den operativen Fächern, für die Innsbruck eine sehr gute Grundlage liefert.
MEDIZINSTUDIUM.at: Im Sezierkurs wird mit fixierten Leichen, also mit Körperspenden gearbeitet. Gibt es Initiativen, die den Studenten vor Augen halten, mit welch wertvollem „Gut“ sie sich beschäftigen dürfen?
Ja, wir haben parallel zum großen Sezierkurs ein Ethikseminar, das sich mit dem Tod, Sterbenden, Sterbebegleitung u.Ä. befasst. Ein Themenbereich bei diesem Seminar ist die Körperspende.
MEDIZINSTUDIUM.at: Im laufenden Wintersemester findet aus Zeitgründen erstmals die Wahlfachlesung Topografische Anatomie nicht statt. Weshalb findet sie nicht mehr statt? Und könnte sich diese Entwicklung negativ auf die Qualität des Sezierkurses auswirken?
Der Kurs musste aufgrund der hohen Studierendenanzahl zweigeteilt werden und aus Zeitgründen die Wahlfachvorlesung aufgegeben werden. Die Qualität der Kurse ist abhängig von der Zahl der Studierenden pro BetreuerIn, ob die Studierenden weniger gut abschneiden wird sich am Ende des Kurses zeigen und hängt sicher nicht an einer fehlenden Wahlfachausbildung.
MEDIZINSTUDIUM.at: Viele Studierende klagen im Sezierkurs über "künstlich induzierten Stress“, durch die rasche Abfolge zahlreicher und lernintensiver Prüfungen. So werden die Studenten allein in den letzten 5 Wochen des Kurses 4 Mal geprüft. Gab es diesbezüglich schon Überlegungen das Lehr- und Prüfungssystem zu adaptieren?
(Anm.: Die Frage bezieht sich auf den großen Sezierkurs. Im kleinen Kurs gibt es insgesamt nur zwei Prüfungen. Siehe auch: Anatomie an der MUI)
Mich hat noch kein Studierender auf den künstlich induzierten Stress angesprochen!(?) Die Atmosphäre im Kurs ist gut, ruhig und die Studierenden arbeiten untereinander und auch mit uns gut zusammen. Die Assessments im Kurs sind der Zeitpunkt, an dem die Inhalte in einer Lehrveranstaltung mit immanentem Prüfungscharakter spätestens überprüft sein sollten, ebenso wie eine Beurteilung des Präparates und der Mitarbeit. Wir alle sind bemüht, soviel wie möglich Stress aus dem Kurs herauszunehmen, was uns, so bin ich sicher, auch immer besser gelingt.
MEDIZINSTUDIUM.at: Welche Tipps können Sie einem Studenten geben um den kleinen und großen Sezierkurs erfolgreich abzuschließen?
Arbeiten Sie die Vorlesungen nach, sie sind nicht nur für die SIPs sondern auch für die Sezierkurse und die klinischen Fächer. Arbeiten Sie im Sezierkurs mit Ihren TischkollegInnen zusammen, schauen Sie in die Sezierkursanleitung und hören Sie auf das, was die DozentInnen erklären und nicht auf die allseits beliebte Gerüchteküche.
PS
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