Bericht: Chirurgieschnupperkurs des BÖC für Studenten
Am Freitag den 20.01.2012 fand in den Räumen der Geschäftsstelle des Berufsverbandes österreichischer Chirurgen ein ganztägiger Chirurgieschnupperkurs statt. Auf dem Programm standen Unfallchirurgie mit einer Einführung in das Gipsen, ein Hautnahtkurs, ein Anastomosenkurs und ein Kennenlernen des laparoskopischen Arbeitens am Laparoskopiesimulator.
Um 8 Uhr morgens fand sich dort eine Gruppe von etwa 20 chirurgisch interessierten Studenten ein. Nach einer kurzen Ansprache durch Prof. Roka wurden wir in 4 Gruppen zu maximal 6 Leuten aufgeteilt, die in unterschiedlicher Reihenfolge die 4 jeweils zweistündigen Kurse durchliefen.
Ich kam als erstes in den unfallchirurgischen Kurs. Nach einigen Fallpräsentationen, anhand derer wir nochmalseinerseits die erste Hilfe und andererseits die unfallchirurgische Erstuntersuchung und die unfallchirurgische Anamnese besprochen haben, bekamen wir noch eine Einführung in die Verbandlehre. Als praktische Übung dazu konnten wir uns gegenseitig in aller Ruhe Kunstoffgipsverbände am Handgelenk legen.
Im Anschluss folgte der Hautnahtkurs. Zuerst wurden wieder Basics, wie die verschiedenen Nahtarten oder die einzelnen Methoden der Lokalanästhesie, besprochen. Im Anschluss hatte jeder ein eigenes Stück Kunststoffhaut, an dem man üben konnte. Prinzipiell war dieser Kurs sehr ähnlich, wie die Hautnahtkurse der Universität, jedoch gab es viel mehr Material, die Betreuung war besser und wir hatten mehr Zeit. Man konnte daher zum Beispiel auch verschiedene Fadenarten und Fadenstärken ausprobieren.
Nach einer einstündigen Mittagspause mit Buffet, folgten die für mich persönlich interessanteren Kurse. Im Anastomosenkurs wurde zuerst anhand eines Videos die Nahttechnik besprochen. Dann waren wir an der Reihe: Jeweils zwei Studenten, einer hat genäht, der andere assistiert, bekamen einen in Formalin fixierten Schweinedarm, an dem zuerst von jedem eine Anastomose mittels Einzelknopfnähten durchgeführt wurde. Im Anschluss konnte jeder noch eine Anastomose mit fortlaufender Naht machen. Die dazugehörige Technik wurde davor wieder anhand eines Videos besprochen. Zeitlich ging es sich genau aus, dass jeder in Ruhe zwei Anastomosen machen konnte.
Zu guter Letzt erwartete uns noch das (zumindest für mich) eigentliche Highlight des Tages: Der Laparoskopiekurs. Wieder gab es eine kurze Einschulung, in der das Handling der laparoskopischen Instrumente und der geplante Eingriff besprochen wurden. Ziel war es ein Loch in einen Magen zu schneiden und es im Anschluss mit Einzelknopfnähten wieder zuzunähen. Mit etwas Respekt vor der anstehenden Arbeit begaben wir uns wieder jeweils zu zweit an einen Simulator. Einer war „Operateur“, der andere dufte als „Assistenz“ die Kamera führen. Der erste Teil der „Operation“, das Setzen der Trokare unter Sicht und das Schneiden des Loches in den Magen, war schaffbar. Doch dann begann der schwierige Teil: Das Zunähen. Alleine das Einspannen der Nadel in den Nadelhalter war eine Herausforderung für sich, von der Naht und dem Knüpfen noch gar nicht zu sprechen. Trotz der anfänglichen nicht zu verleugnenden Schwierigkeiten hat es jeder mit ein bisschen Geduld und den guten Tipps des Kursleiters geschafft die Operation zu beenden. Auch hier war wieder genug Zeit, dass jeder in Ruhe einmal operieren durfte.
Um 18 Uhr endete der interessante, aber durchaus auch anstrengende Kurs. Da ich als Student im 5. Jahr schon in verschiedenen Kursen damit zu tun hatte, habe ich im Unfallchirurgie- und dem Hautnahtkurs nicht so viel Neues gelernt. Trotzdem konnte ich mein Wissen festigen und speziell beim Hautnahtkurs ein paar Handgriffe und Techniken verbessern. Am Laparoskopiesimulator und im Anastomosenkurs wurde man mit Techniken konfrontiert, die man üblicherweise als Student nicht durchführt. Ich persönlich fand es sehr spannend und glaube, dass ich jetzt mehr Gefühl für diese Arbeiten habe und hoffe, davon auch etwas in der Klinik, sei es auch nur als Assistenz, umsetzen zu können. Die Kursgebühr von 80 Euro für Studenten und 50 Euro für BÖC Mitglieder ist zwar für den normalen Studenten hoch. Trotzdem finde ich den Preis angemessen, wenn man bedenkt, welche Materialien einem zur Verfügung stehen.
Mehr Informationen zum Kurs und die nächsten Termine findet ihr unter: www.chirurg-werden.at
FN
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