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Inhaltsverzeichnis

Bildschirmfoto 2015-09-17 um 14.23.22Mindestens sechs Jahre hast du einige Liter an Schweiß und Tränen vergossen, dabei aber –   wie soll es auch anders sein – viele schöne Momente voller Freude und Zusammenhalt erlebt. StudienkollegInnen sind zu FreundInnen und PartnerInnen geworden, Prüfungen sind überwunden und ausgiebig gefeiert worden und abseits der ganzen Euphorie und trotz vehementer Negation von Seiten einiger KollegInnen sind wir am Schluss doch alle zu der Erkenntnis gekommen: es gibt ein Leben danach. Unweigerlich bekommt der über das Studium aufgebaute Kreis an FreundInnen, KollegInnen und Bekannten Löcher. Der Jahrgang geht zurück in die Bundesländer oder raus in die restliche Welt. Manche wirst du nie wieder sehen, andere wirst du im Zuge deiner weiteren Ausbildung neu kennenlernen und dich fragen, wie sie denn sechs Jahre an deiner Seite studieren konnten, ohne dass du sie aktiv oder wenigstens passiv wahrgenommen hast.

Inmitten dieser schönen und auch traurigen Geschichten sind leider auch einige organisatorische Dinge zu erledigen und die Krankenhäuser für den Weg als Arzt/Ärztin im Basisjahr und als Assistenzarzt/Assistenzärztin auszusuchen. Bewerbungen müssen geschrieben, dabei an die richtigen Stellen geschickt und die dazugehörenden Gespräche überstanden werden.

Diese Ausgabe  soll  den  oftmals  verwirrenden Beginn der ärztlichen Karriere nach dem Humanmedizinstudium erleichtern und einige Informationen zum Turnus und den begleitenden organisatorischen Umständen bereitstellen. Manche Informationen sind den meisten schon bekannt, manch andere lösen vermutlich den Aha-Effekt aus, aber alle gesammelt sollen ein ganzheitliches Bild des Turnus ergeben und möglichst wenige Fragen offen lassen.

Wir wünschen dir viel Erfolg und Erfüllung auf deinem weiteren Weg als Jungmediziner/in!

Deine nextdoc-Redaktion

Wir möchten uns immer verbessern, deshalb sind wir für Anregungen und konstruktive Verbesserungsvorschläge stets dankbar und verweisen dazu auf folgende E-Mail-Adresse: redaktion@nextdoc.at

Organisatorisches

Grundsätzliches

Im Rahmen der Sponsion habt ihr nun nach all der Studienzeit den klingenden Diplomgrad “Dr. med. univ.”  vor  eurem  Namen  stehen. In Österreich bedarf es allerdings für die

Berechtigung der selbständigen Berufsausübung des Jus practicandi (“das Recht zu praktizieren”), einer nunmehr dreieinhalbjährigen Ausbildung (= Turnus) zum Arzt für Allgemeinmedizin oder sechsjährigen Ausbildung (= Assistenzarzt) zum Facharzt.

Allgemeines zum Turnus (alte Ausbildungsordnung)

Der Turnus ist die “Ausbildung” zum Arzt für Allgemeinmedizin. Nach dem Abschluss des Turnus bist du zur selbständigen Berufsausübung berechtigt. Während des Turnus solltest du dir die Fähigkeiten aneignen, die du brauchst, um deine Patienten später eigenständig gut versorgen zu können.

Die Dauer der Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin ist nach alter Ausbildungsordnung mit drei Jahren festgelegt, jedoch kann der Turnus auch länger dauern, da so genannte “Stehmonate” dazukommen können. Solche Stehmonate kommen deshalb zustande, weil kein Platz in den “kleinen Fächern” frei ist und du, nachdem du zum Beispiel schon alle erforderlichen Monate für das Fach Innere Medizin zusammen hast, nochmal auf eine Interne kommst. So kriegst du zwar in diesem Monat dein Gehalt, arbeitest aber eigentlich umsonst, da sich nun dein Turnus um einen Monat verlängert.

Vorgesehen sind:

Innere Medizin   12 Monate (davon drei Monate aus Wahlfächern anrechenbar, siehe weiter hinten)

Allgemeinmedizin/Ambulanzmonate    6 Monate Chirurgie             4 Monate

Kinder- und Jugendheilkunde                 4 Monate

Frauenheilkunde/Geburtshilfe                 4 Monate

HNO 2 Monate

Haut- und Geschlechtskrankheiten         2 Monate

Neurologie oder Psychiatrie                     2 Monate

In welcher Reihenfolge du diese Fächer absolvierst, ist nicht vorgeschrieben.

Tipp: Wenn du jedoch schon weißt, welche Fachrichtung du mal einschlagen willst, ist dir anzuraten, die Gegenfächer für dein Fach gleich am Anfang vom Turnus zu machen, da du mit den absolvierten Gegenfächern bessere Chancen auf eine Assistenzstelle hast.

Anerkennung von Fächern

Die Anrechnung gilt nur für den Arzt für Allgemeinmedizin und nicht für etwaige Gegenfächer für eine Fachausbildung, außer es steht für dein Fach explizit in den Anforderungen für die Gegenfächer.

Wenn du also drei Monate Orthopädie im Turnus gemacht hast, kannst du dir diese zwar für den Turnus als drei Monate Interne anrechnen lassen, aber nicht als drei Monate Internes

Gegenfach für z.B. die HNO-Facharztausbildung! Zur Erklärung: Man kann max. drei Monate aus einem fremden Fach für Innere Medizin anrechnen lassen, dazu gehört unter anderem auch Ortho. Für das HNO-Ausbildungsfach müsste es aber dann wirklich eine internistische Station sein.

Die folgende Liste zeigt die allgemeine Anrechenbarkeit der verschiedenen Fächer. Es gibt jedoch in vielen Krankenhäusern zusätzliche Bestimmungen, mit welchen du dir z.B. Orthopädie als Kinderheilkunde anrechnen lassen kannst, wenn auf dieser Orthopädie viele Kinder betreut werden. Diese Bestimmungen musst du in der Personalvertretung des jeweiligen Krankenhauses erfragen.

Allgemeinmedizin = Ambulanzmonate Unfallchirurgie (z.B. in den AUVA-Häusern möglich), Notaufnahmen, Lehrpraxis, Ambulatorium
Chirurgie ChirurgieUnfallchirurgie (max. zwei Monate)
Frauenheilkunde/Geburtshilfe Frauenheilkunde/GeburtshilfeMindestens zwei Monate Geburtshilfe
HNO HNO
Haut- und Geschlechtskrankheiten Haut- und Geschlechtskrankheiten
Innere Medizin Die folgenden Fächer in der Dauer von höchstens drei Monaten:

  • Anästhesiologie und Intensivmedizin
  • stationäre Arbeits- und Betriebsmedizin
  • Augenheilkunde und Optometrie
  • Lungenkrankheiten
  • Medizinische Radiologie
  • Diagnostik
  • Medizinische und Chemische Labordiagnostik
  • Orthopädie und Orthopädische Chirurgie
  • Physikalische Medizin
  • Urologie
Kinder- und Jugendheilkunde Kinder- und Jugendheilkunde
Neurologie oder Psychiatrie NeurologiePsychiatrie

Lehrpraxis

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Die Lehrpraxis dient vor allem der Vorbereitung auf die freiberufliche Tätigkeit als niedergelassener Arzt/niedergelassene Ärztin, da dies naturgemäß dem späteren Berufsfeld als Allgemeinmediziner/in näher kommt als die Arbeit im Krankenhaus. Solltest du aber lediglich für Infusionstherapien und Blutabnahmen beim Hausarzt herangezogen werden, solltest du dich besser nach einer anderen Stelle umsehen. Die Zeiten des “Spritzenferdl” sollten mittlerweile auch in Österreich der Vergangenheit angehören.

Die Ausbildung hat im Rahmen eines nach mindestens dem Kollektivvertrag bezahlten

Arbeitsverhältnisses zu erfolgen und muss eine Kernarbeitszeit von mindestens 30 Wochen- stunden untertags umfassen, um angerechnet werden zu können. In einer anerkannten Lehrpraxis darf jeweils nur ein Turnusarzt/eine Turnusärztin gleichzeitig ausgebildet werden.

Um eine Lehrpraxisstelle zu finden, gibt es folgendes Verzeichnis auf der Webseite der Österreichischen Ärztekammer:www.aerztekammer.at/ausbildungsstattenverzeichnis

Dort ist ebenso in der Rubrik “Ausbildung – Anerkennung von Ausbildungsstätten” ein Antragsformular für alle potentiellen Lehrpraxen, die noch nicht eingetragen sind, zu finden.  Voraussetzungen hierfür sind unter anderem die freiberufliche Tätigkeit seit mindestens drei Jahren und eine ausreichende Patientenfrequenz.

Linktipps für Deine Lehrpraxisstelle:

www.nextdoc.at/nextdoc-job-overview

www.medkarriere.at

Die Ausbildung hat in den Ordinationsräumlichkeiten und unter Aufsicht zu erfolgen. Eine Begleitung bei Hausbesuchen als Beobachter wäre möglich. Aufsicht ist aber nicht als Draufsicht zu verstehen. Das Ausmaß der Aufsicht orientiert sich jeweils am Ausbildungsstand.

Tipp: Insgesamt kann man sich maximal 12 Monate Lehrpraxis für den Turnus Allgemeinmedizin und den Turnus Facharzt eines Sonderfaches anrechnen lassen. Dem internationalen Standard folgend würden wir dir auch empfehlen, dieses ganze Jahr auszureizen, da dies als Minimum in vielen anderen Staaten betrachtet wird. Kinder- und Jugendheilkunde, Gynäkologie, Neurologie oder Psychiatrie, HNO, Haut- und Geschlechtskrankheiten dauern in der Lehrpraxis im Vergleich zur Ausbildungszeit im Spital um 50 Prozent länger.

Verdienst in der Lehrpraxis

Der Verdienst als Lehrpraktikant/in ist abhängig von der Dauer der Beschäftigung, sowie von den Ausbildungsjahren. Die Gehaltsangaben geben den Mindesttarif für 30 Wochenstunden an und müssen demnach bei höherer oder niedrigerer Wochenarbeitszeit angepasst werden. Mehr Infos gibt es auf der Webseite der Österreichischen Ärztekammer:

www.aerztekammer.at

Quelle: www2.aekwien.at/dlcentre/uploads/100101_KV_Lehrpraktikanten.pdf, Zugriff am 17.08.2015

Die neue Ausbildungsordnung

Basisausbildung

Die neue Ausbildungsordnung (ÄAO) ist seit 01.06.2015 in Kraft und bringt einige Veränderungen mit sich. Ab nun muss jede/r zukünftige/r Facharzt/Fachärztin oder AllgemeinmedizinerIn die Basisausbildung absolvieren. Während dieser Ausbildungszeit von neun Monaten sollen die Grundzüge der Chirurgie und Inneren Medizin erlernt werden. Kritiker sehen darin einen weiteren Versuch, zumindest für kurze Zeit die JungmedizinerInnen zum Systemerhalt heranzuziehen, da nun jede/r durch diese neun Monate muss, egal ob er oder sie später AllgemeinmedizinerIn oder Facharzt/Fachärztin werden will. Wenn es nach der Ärztekammer geht, soll dies zumindest beim mitverantwortlichen Tätigkeitsbereich aber nicht der Fall sein:

“Tätigkeiten nach § 15 Abs. 5 GuKG sollen bereits mit dem KPJ abgedeckt sein → Durchführung während der Basisausbildung nur, wenn diese für die Erreichung des Ausbildungsziels erforderlich sind.”

Sollte man in der alten Ausbildungsordnung begonnen haben, auf der Chirurgie oder Inneren Medizin zu arbeiten, kann man sich diese Monate für die Basisausbildung anrechnen lassen.

“Die Basisausbildung gemäß § 6 kann durch bereits in der Dauer von neun Monaten absolvierte Ausbildungszeiten in chirurgischen und konservativen Fachgebieten als erfüllt angesehen werden.”

Die Möglichkeit, in die neue Ausbildungsordnung zu wechseln, ist nur mit Zustimmung des Arbeitgebers und erst ab 01.03.2016 möglich. Wer vor dem 31.05.2015 begonnen hat, im Turnus zu arbeiten, kann diesen auch im alten System absolvieren. Eine Frist für die Absolvierung des Fachs in der alten Ausbildungsordnung gibt es nicht.

“Das gilt auch für Fächer, die in der neuen ÄAO nicht mehr vorgesehen sind. Wichtig ist, dass es keine Frist gibt, innerhalb derer die Ausbildung nach der alten ÄAO absolviert werden muss. Ferner besteht aber auch die Möglichkeit, in die neue ÄAO zu wechseln. Dies ist allerdings erst ab dem 1. März 2016 möglich. Zusätzlich ist dafür die Zustimmung des Dienstgebers erforderlich. Die Anrechnung der bisher absolvierten Ausbildungszeiten erfolgt durch die Österreichische Ärztekammer. Ausbildungen, die bereits vor dem 31. Mai 2015 begonnen wurden, können nach der alten Ärzteausbildungsordnung (ÄAO) 2006 abgeschlossen werden. Dafür notwendig ist eine Eintragung in die Ärzteliste vor dem 1. Juni 2015.

Weitere Infos:

➟ http://www.aerztekammer.at/basisausbildung

Ausbildung für Allgemeinmedizin

Die neue Ausbildungsordnung sieht eine Gesamtdauer von zumindest 33 Monaten vor. Diese setzt sich aus 27 Monaten Spitalsturnus und sechs Monaten Lehrpraxis zusammen. Somit dauert die neue Ausbildung zum/r Allgemeinmediziner/in zusammen mit der Basisausbildung von neun Monaten insgesamt 42 Monate.

“Die neue ÄAO sieht generell einen stufenweisen Aufbau der Ausbildungszeiten vor, wobei jede postpromotionelle Ausbildung für alle Personen, die mit ihrer Ausbildung erstmals ab 1. Juni 2015 beginnen (sowohl Ausbildung zum Facharzt als auch Ausbildung zum Allgemeinmediziner), mit der Basisausbildung (neun Monate in konservativen und chirurgischen Fächern) beginnt.”

Auflistung der zu absolvierenden Fächer

  • 9 Monate Innere Medizin
  • 3 Monate Kinder- und Jugendheilkunde
  • 3 Monate Frauenheilkunde- und Geburtshilfe
  • 3 Monate Orthopädie und Traumatologie
  • 3 Monate Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin
  • 6 Monate aus zwei der folgenden Wahlfächer zu je drei Monaten:
    • Haut- und Geschlechtskrankheiten
    • HNO
    • Augenheilkunde und Optometrie
    • Urologie
    • Anästhesie und Intensivmedizin
    • Neurologie
  • verpflichtende Absolvierung von Inhalten für Dermatologie und HNO (Umfang/Art der Vermittlung noch in Diskussion)

Es gibt nun auch Listen mit einer festgelegten Anzahl an Untersuchungen und Eingriffen, die pro Fach zu absolvieren sind. Die Listen sind online auf der Webseite der Österreichischen Ärztekammer zu finden. Die Rasterzeugnisse werden erst im Herbst 2015 veröffentlicht.

Wer jetzt noch offene Fragen hat, der kann weiterführend die FAQs der Ärztekammer durchstöbern oder sich die ganze Präsentation ansehen, von der die Zitate entstammen.

Weitere Infos:

www.aerztekammer.at

www.aekwien.at/aekmedia/AerzteausbildungNeu_AuswirkungLehrpraxis.pdf

www.aekwien.at/aekmedia/150626_FAQ_Aerzteausbildungsordnung.pdf

www.aekwien.at/aekmedia/150709_Vortrag_Ausbildung_Neu.pdf

Lehrpraxis

Auch in der neuen Ausbildungsordnung ist es möglich, im niedergelassenen Bereich Erfahrungen zu sammeln. Der Unterschied besteht nun darin, dass die Lehrpraxis erst am Ende der Ausbildung absolviert wird und das im Ausmaß von sechs Monaten.

  • 11. (1) “Am Ende der Ausbildung ist die Ausbildung im Fachgebiet Allgemeinmedizin in der Dauer von sechs Monaten in Lehrpraxen freiberuflich tätiger Ärztinnen/Ärzte für Allgemeinmedizin oder in für das Fachgebiet Allgemeinmedizin anerkannten Lehrgruppenpraxen oder Lehrambulatorien zu absolvieren.”

Laut der Ärztekammer ist aber vieles – vor allem bei der Finanzierung und Organisation der Lehrpraxis – noch offen. Es ist auch angedacht, die Lehrpraxismonate im Zuge von Nacht- und Wochenenddiensten angerechnet zu bekommen. Auch Konsiliarausbildung soll möglich sein, dafür ist aber Zusammenarbeit mit einem Facharzt von mindestens 30 Stunden pro Woche notwendig. Des weiteren können die Fächer Kinder- und Jugendheilkunde, Orthopädie und Traumatologie, Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin sowie Wahlfächer zusätzlich im Ausmaß von mindestens drei, aber maximal zwölf Monaten absolviert werden.

Die Ärztekammer

Zum ärztlichen Beruf in Österreich gehört die Ärztekammer wie das Amen im Gebet. Die Mitgliedschaft in der Ärztekammer ist eine Pflichtmitgliedschaft, das bedeutet zu Beginn der ärztlichen Tätigkeit muss man sich verpflichtend in die Ärzteliste eintragen lassen. Die Anmeldung in die Ärzteliste ist erst dann möglich, wenn der Beginn des Dienstverhältnisses feststeht. Jeder Arzt und jede Ärztin erhält als Nachweis der Eintragung in die Ärzteliste und der damit verbundenen Berufsberechtigung (nicht zu verwechseln mit selbständiger Tätigkeit) in Österreich einen Lichtbildausweis im Scheckkartenformat.

Analog zu den neun Bundesländern gibt es neun Ärztekammern, also für jedes Bundesland eine. Die Eintragung in die Ärzteliste muss bei der jeweiligen für das Bundesland zuständigen Ärztekammer vorgenommen werden. Weitere Informationen zum Anmeldungsprocedere sowie den Öffnungszeiten der Ärztekammern und die Ansprechpersonen findet man ganz leicht über die Suchmaschine seines Vertrauens.

Der Ärztekammerbeitrag variiert je nach Bundesland und wird prozentuell anhand des Gehalts errechnet. Er setzt sich zusammen aus:

  • Grundrente
  • Hinterbliebenenunterstützung und Bestattungsbeihilfe (“Todesfallbeihilfe”)
  • Krankenunterstützung
  • Ergänzungsrente (nur für niedergelassenen Bereich)
  • Individualrente (nur für niedergelassenen Bereich)
  • Kammerumlage (für die Landesärztekammer und Österreichische Ärztekammer)

Die Beiträge dürfen höchstens 18 % der Bruttoeinnahmen betragen.

Mitzubringende Dokumente (im Original und gegebenenfalls in deutscher beglaubigter Übersetzung):

  • Geburtsurkunde
  • Staatsbürgerschaftsnachweis (Dokument erforderlich – nicht Reisepass!)
  • Heiratsurkunde – gegebenenfalls
  • Promotionsurkunde/Nostrifikation
  • Auszug aus dem Österreichischen Strafregister – nicht älter als drei Monate (kann mit Bürgerkarte oder Handyzugang und www.meinbrief.at-Zugang auch online angefordert werden)
  • Bestätigung der gesundheitlichen Eignung zur Ausübung der ärztlichen Tätigkeit (eines Arztes/einer Ärztin für Allgemeinmedizin oder eines Facharztes/einer Fachärztin) – nicht älter als drei Monate
  • Dienstvertrag / Bestätigung des Dienstgebers / Dienstantrittsbestätigung / Lehrpraxisbestätigung
  • zwei Passfotos
  • Sozialversicherungsnummer

Die Bewerbung

Die Bewerbung findet mittlerweile in vielen Häusern primär über das Internet statt. Die verschiedenen Krankenhausträger haben unterschiedliche Bewerbungsprocedere.

Linktipp: Auf nextdoc.at findet Ihr unter nextdoc.job gesammelt aktuelle Stellenangebote aus ganz Österreich im Überblick:

www.nextdoc.at/nextdoc-job-overview

Eventuell muss man nach der erfolgreichen Onlinebewerbung noch Unterlagen für eine Bewerbungsmappe zusammenstellen. Auf der ersten Seite der Bewerbung findet sich immer das persönliche Anschreiben, d.h. man kann hier kurz damit einleiten, wie man auf das Stellenangebot aufmerksam geworden ist und wie gern man nicht in genau dieser Klinik und in dieser Abteilung arbeiten möchte.

Beim Lebenslauf sollte man sich auf relevante Informationen beschränken. Zu viele Details lenken vom Wesentlichen ab. Wichtige Angaben: jene Fächer, die man in Famulaturen und im KPJ belegt hat, das Diplomarbeitsthema und eventuelle Auslandsaufenthalte.

Tipp: Erworbene (medizinische) Qualifikationen und andere besondere Erfolge oder Leistungen hervorheben! Ehrenamtliche Tätigkeiten (z. B. jahrelange Arbeit im Rettungsdienst) oder besondere Projekte zeugen von Engagement und vielseitigem Interesse und sollten in einem Lebenslauf erwähnt werden.

Das Bewerbungsgespräch

Hast du die Einladung zu deinem Vorstellungsgespräch in der Hand: Glückwunsch! Nun gilt es, noch ein paar relevante Dinge herauszufinden:

Wann, wo und wer

Falls es nicht exakt in der Einladung vermerkt ist, versuche herauszufinden, wann und besonders wo das Bewerbungsgespräch stattfindet. Falls dir das Spital noch nicht so bekannt ist, mache dich rechtzeitig vor dem Termin mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut. Sei mindestens eine Viertelstunde vor dem vereinbarten Zeitpunkt vor Ort. Es wäre sehr unvorteilhaft, zu spät zu erscheinen.

Äußerliches

Die Frage der richtigen Bekleidung für den Anlass eines Vorstellungsgesprächs bleibt dem Geschmack überlassen. Dein Bestreben sollte sein, einen möglichst professionellen Eindruck zu erwecken und gleichzeitig durch das Auftreten und Benehmen zu bestätigen, dass du – ohne den geringsten Zweifel – genau die richtige Person für die offene Stelle bist. Auch hier gilt: nicht “verkleiden” und authentisch sein, jedoch ein gewisses Maß an Seriosität an den Tag legen. Für unsere männlichen Kollegen gilt: Anzug, bzw. Sakko und gediegene Jeans. Für die Frauen unter uns: Hosenanzug oder Business-Kleid. Viele halten dies jedoch für übertrieben und setzen zumindest auf ein Polo-Shirt, Hemd oder Bluse.

Fragestunde

Jedes Bewerbungsgespräch verläuft anders, darum ist es unmöglich vorherzusehen, welche Fragen gestellt werden. Es gibt jedoch wiederkehrende Fragen, deren schlagfertige Beantwortung dir nur Pluspunkte einbringen kann.  Vor  Jobinterviews  ist es üblich, sich zu diesen wiederkehrenden Fragen ein paar hoffentlich kluge und gewitzte Antworten zu überlegen. Zum Beispiel, wenn du dich für eine Assistentenstelle bewirbst, wird dir mit ziemlicher Sicherheit die Frage gestellt: ”Warum gerade dieses Fach?” Zusätzlich wirst du wahrscheinlich über deinen bisherigen Werdegang befragt. Überzeuge die Anwesenden, dass du nicht nur die/der Richtige für die Stelle bist, sondern dass auch die Stelle genau die Richtige für dich ist und ideal in deinen Werdegang hineinpasst.

Zu den Klassikern im Bewerbungsgespräch gehören außerdem:

  • “Was sind Ihre Karrierepläne? Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?”
  • “Was sind Ihre Stärken? Was sind Ihre Schwächen?”
  • “Was war Ihre größte Errungenschaft?”
  • „Warum möchten Sie bei uns als Ärztin/Arzt arbeiten?“

Oft noch ausschlaggebender ist es, wie man seine Schwächen beschreibt. Ein Ausschlusskriterium wären Aussagen wie: “Ich tue  mir schwer,  Stress zu bewältigen.” oder “Ich neige dazu, mich mit KollegInnen zu streiten.”. Am besten wäre, du stellst eine eher gute Eigenschaft als eine Schwäche dar: z. B. du erwähnst, dass du überaus pingelig arbeitest und Ungenauigkeit überhaupt nicht ausstehen kannst. Aber auch hier gibt es Aussagen, die kein Personalmanager mehr hören kann. Weitere  Möglichkeiten,  diese Fragen zu deinen Gunsten zu beantworten, findest du unter anderem auf folgender Webseite:

http://karrierebibel.de/tipps/bewerbung/

Es kann vorkommen, dass dir die Gelegenheit gegeben wird, einige Fragen über das Spital und die angebotene Stelle zu stellen. Nütze diese Gelegenheit und zeige einmal mehr dein Interesse und deine Motivation. Vermeide nach Informationen zu fragen, auf die schon eingegangen wurde oder welche leicht öffentlich (z.B. im Internet; recherchiere deshalb ausführlich vor dem Vorstellungstermin!) abrufbar sind.

Tipp: Notiere dir deine Fragen am besten vor dem Bewerbungsgespräch auf einer Liste, die du während des Gesprächs abhaken kannst. Relevant sind z. B. Dienstzeiten, Arbeitszeitmodelle, Urlaubsregelung (es gibt teilweise Urlaubssperren direkt nach Beginn an einer neuen Arbeitsstelle) und Stehmonate.

Das beste Angebot auswählen

Mittlerweile kommt es immer öfter vor, dass man zwischen mehreren Angeboten für eine Turnusstelle wählen kann, da nun eben die Wartelisten – wie zuvor schon erwähnt – immer öfter gegen null gehen. Um die ideale Stelle für einen selbst zu finden, kann man einige (berechtigte) Fragen stellen um herauszufinden, ob die Stelle zu einem passt.

 

Arbeitsbedingungen

Wie sieht es mit der täglichen Arbeitslast aus? Muss man täglich länger bleiben um die Arbeit fertig zu bekommen oder kann man das eine odere andere Mal auch verschnaufen? Wie sind die Dienste? Kommt man gar nicht zur Ruhe und rennt die ganze Zeit durch oder kommt man hin und wieder auch zum Schlafen?

 

Arbeitszeiten

Zum Glück muss niemand das Opt-Out unterschreiben und darf dazu auch nicht gezwungen werden. Daher ist es erstmals in der Geschichte der Ärzteschaft in Österreich möglich, zu humanen Wochenarbeitszeiten als Turnusarzt/Turnusärztin tätig zu sein. Dennoch kann es Unterschiede geben, die einen vielleicht das Leben erschweren oder erleichtern können. Daher immer fragen, wie die tägliche Kernarbeitszeit aussieht, ob es Spätdienste gibt oder Ähnliches.

 

Ausbildung

Ist es neben der Systemarbeit möglich, etwas aktiv zu lernen und selbst zu machen? Oder wird man trotz aller Versprechungen hauptsächlich mit Stationsarbeit eingedeckt?

 

Stimmung im Team

Wie ist der Zusammenhalt innerhalb der Ärzteschaft? Verstehen sich die TurnusärztInnen untereinander, halten sie zusammen oder gibt es jedes Monat große Probleme beim gemeinsamen Erstellen des Dienstplans? Wie ist das Verhältnis zu den OberärztInnen und den Abteilungsvorstand? Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Pflegepersonal?

 

Fortbildungen

Werden regelmäßig Fortbildungen angeboten und werden diese für das DFP-Programm gewertet?

 

Urlaub

Ist es möglich, auch in der Sommerzeit auf Urlaub zu gehen oder ist ein solcher generell für TurnusärztInnen nicht vorgesehen und nur in der Nebensaison erlaubt?

 

Fortbildungsurlaub

Wie viel Fortbildungsurlaub wird gestattet? Als Minimum sind fünf Tage pro Kalenderjahr zu sehen. Gibt es eine finanzielle Förderung?

 

Fazit

Gesamt betrachtet muss natürlich festgehalten werden, dass viele Punkte nicht erfüllt werden können und man mit seiner Stelle trotzdem zufrieden sein kann, wenn gewisse Punkte für einen erfüllt werden und man das Fach mag, sodass man auch über Defizite wie zum Beispiel fehlenden Fortbildungsurlaub hinweg sehen kann. Dies findet man meist erst heraus, wenn man schon mittendrin ist, aber auch andere Krankenhäuser haben Stationen und es ist mittlerweile nicht mehr so schwierig zu kündigen und in einem anderen Krankenhaus sein neues Glück zu versuchen.

 

Tipp: Der Kliniken-Check: Hier kannst du dich vorab informieren, wie es im Krankenhaus wirklich zugeht und dir mögliche falsche Vorstellungen oder Enttäuschungen ersparen. Vielleicht überrascht dich das eine oder andere Krankenhaus auch positiv und kommt doch in deine engere Auswahl. Momentan gibt es schon über 4400 Evaluierungen von KollegInnen in ganz Österreich. Und für den schnellen Überblick: die Top- und Flopliste.

www.nextdoc.at/kliniken-check

Wartezeit auf den Turnus

Zur Zeit gibt es so gut wie an keinem Standort in Österreich längere Wartezeiten als drei Monate.

Lediglich in Wien muss man im AKH und im KAV ein paar Monate mehr einplanen. Aufgrund des nach wie vor – im Vergleich zu Restösterreich – großen Interesses an Stellen in Wien hat sich in Sachen Ausbildung, Arbeitszeiten und Gehalt bis dato weniger verbessert als in den anderen Bundesländern. Aber auch in der Bundeshauptstadt wird das Arbeitsleben der Ärzte und Ärztinnen in Ausbildung langsam aber stetig optimiert. Seit spätestens 1. Juli 2015 müssen nun endgültig alle Entscheidungsträger darauf achten, dass ihre Arbeitnehmer – egal ob mit oder ohne Opt-Out – das Arbeitszeitgesetz einhalten. Ebenso gibt es seit 01.07.2015 neue Gehaltsschemata im KAV sowie in den Ordensspitälern.

 

AMS und Krankenversicherung

Viele Kollegen machen sich Sorgen über die Krankenversicherung zwischen Studienende und Beginn des Arbeitslebens. Bis wann bin ich noch krankenversichert?

Kein Problem: nach Studienende ist eine weitere Mitversicherung bei den Eltern aufgrund von Erwerbslosigkeit für die Dauer von 24 Monaten bis zur Vollendung des 26. Lebensjahres möglich, sofern kein Anspruch auf Leistungen vom Arbeitsmarktservice (“Arbeitslosengeld”) besteht. Um Anspruch auf Arbeitslosengeld zu haben, muss man in den letzten zwei Jahren mindestens ein Jahr gearbeitet haben, dabei über der Geringfügigkeitsgrenze verdient und somit in die Arbeitslosenversicherung einbezahlt haben.

Sollte man zwischendurch arbeitslos werden und nicht länger als ein Jahr gearbeitet haben, muss ein Antrag auf Selbstversicherung gestellt werden, um weiterhin krankenversichert zu sein.

Anmeldung zum Turnus

Die Anmeldung für den Turnus ist je nach Krankenanstalten-Verbund oder – wenn  keinem verwaltenden Verbund zugehörig – Krankenhaus unterschiedlich. Es gibt die Möglichkeit, den Turnus bei den landeszugehörigen Verbänden oder bei privaten Spitälern zu absolvieren. Manche Verbände oder Krankenhäuser bieten eine Online-Bewerbung per Formular an, anderen kann man via E-Mail seine Unterlagen zukommen lassen und bei manchen gibt es noch ausschließlich eine Postadresse.

Als erste Übersicht, wo es in Österreich überall  Krankenhäuser gibt, dient der so genannte Spitalskompass. Welche Krankenhäuser tatsächlich auch TurnusärztInnen  nehmen, ist auf den jeweiligen Spitalsseiten vermerkt. Statt die alle einzeln durchzuklicken, kannst du auch einen Blick auf das aktuelle  Angebot von nextdoc.jobs werfen – hier findest du gesammelt offene Turnusstellen mit Informationen rund um das jeweilige Krankenhaus:

www.spitalskompass.at

www.nextdoc.at/nextdoc-job-overview

Informationen zu den einzelnen Bundesländern

Wien

Die Bewerbung für einen Turnus bei der Gemeinde Wien (KAV – Krankenanstaltenverbund) beginnt online unterwww.wienkav.at/kav/turnus. Im Zuge des Anmeldeprozesses erhält man alle weiteren wichtigen Informationen. Eine zusätzliche persönliche Vorsprache bzw. persönliche Anmeldung ist erforderlich und findet bei Frau Meszar im 3. Bezirk statt. Wichtig: Zum Zeitpunkt der Anmeldung muss der Promotionsbescheid (bzw. Nostrifikations- bescheid) bereits vorliegen!

Die Anmeldung sollte möglichst schnell nach der Promotion erfolgen, da nach dem Anmeldedatum und nicht nach dem Promotionsdatum gereiht wird. Die Wartezeit kann nicht exakt vorausgesagt werden. Nach neuesten Informationen (Juni 2015) beträgt diese jedoch nur mehr ein paar Monate bzw. unter einem halben Jahr.

 

Niederösterreich

Auch in Niederösterreich kann es in Wien-nahen Krankenhäuser noch zu Wartezeiten kommen. Nähere Infos zu Anmeldeprocedere und Kontaktpersonen auf folgender Webseite: www.lknoe.at/karriere/fuer-aerzte.html

 

Burgenland

Bei fünf Krankenhäusern in Burgenland hast du die Qual der Wahl. Vier davon werden von der KRAGES (Burgenländische Krankenanstalten Ges.m.b.H.) verwaltet, diese sind: Kittsee, Oberwart, Güssing und Oberpullendorf. Das fünfte Spital ist das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt, welches ebenfalls TurnusärztInnen aufnimmt.

www.krages.at/turnusausbildung/aerzteausbildung

www.barmherzige-brueder.at/site/eisenstadt/home

Oberösterreich

Die meisten Bewerbungen laufen über die GESPAG. Daneben gibt es noch die Häuser der Barmherzigen Schwestern in Ried und Linz sowie die Barmherzigen Brüder in Linz.

www.gespag.at/jobs/kontakt-und-bewerbung-fuer-die-aerztinnenausbildung.html

www.bhsried.at

www.bhslinz.at/karriere/ausbildungsangebot-fuer-aerztinnenaerzte

Salzburg

Für die Aufnahme in diesen Verbund als Turnusarzt/Turnusärztin ist es notwendig, ein Hearing zu absolvieren, welches derzeit zweimal im Jahr stattfindet. Ist das Hearing entsprechend für beide Seiten positiv verlaufen, kann die gesamte Turnusausbildung absolviert werden. Zur Onlinebewerbung beim Ausbildungsverbund Nord.

www.salk.at/11656.html

http://turnus-salzburg.at

Steiermark

Informationen über Bewerbung und weitere Schritte auf der Job-Seite der KAGES. Daneben gibt es noch die Universitätsklinik der MedUni Graz.

www.kages.at/cms/beitrag/10311019/9242631#6

www.klinikum-graz.at/cms/ziel/2096145/DE

Kärnten

Der Krankenhausträger KABEG in Kärnten umfasst das Klinikum Klagenfurt am Wörthersee, LKH Villach, LKH Wolfsberg, LKH Laas und die Gailtal-Klinik. Informationen zur medizinischen Ausbildung an diesen Häusern findest du hier: www.kabeg.at/fileadmin/user_upload/kabegmanagement/Karriere/jobfolder_web_doppelseiten.pdf

Tirol

Eine vollständige Liste inklusive privater Krankenanstalten in Tirol findest du unter folgendem Link: www.tirol.gv.at/gesundheit-vorsorge/krankenanstalten/tirolerkrankenanstalten

Vorarlberg

Das Land Vorarlberg bietet unter folgendem Link weitere Informationen:
www.arbeiten-in-vorarlberg.at/wir-bieten-ihnen.

Ausbildung zum Facharzt/zur Fachärztin

Prinzipiell ist es möglich, eine Assistenzarztstelle ohne Absolvierung des Turnus anzutreten. In der Praxis ist es jedoch so, dass der absolvierte oder zumindest teilweise absolvierte Turnus ein Kriterium für die begehrte Ausbildungsstelle ist. Ausnahmen gibt es natürlich und manche Fächer (z.B. Psychiatrie, Pathologie, Radiologie, Strahlen- und Nuklearmedizin) sind aufgrund des eher geringeren Andrangs ohne Turnus leichter zu bekommen als andere. In letzter Zeit häufen sich auch die Stellenangebote, gleich oder sehr bald in ein Fach wechseln zu können.

Das Jus migrandi bietet eine Möglichkeit, die Flucht nach vorne anzutreten und den Schritt ohne Probleme in der Anrechenbarkeit ins Ausland zu wagen.

Jus migrandi

Durch Beschluss der Europäischen Kommission ist seit dem 14.12.2010 das so genannte

„Jus migrandi“ für Absolventinnen und Absolventen des österreichischen Medizinstudiums in Kraft. Innerhalb Österreichs hat diese Neuerung keine Auswirkungen: mit dem Studienabschluss ist im Inland nach wie vor nur die Berufsberechtigung als Turnus- bzw. Assistenzarzt in Ausbildung verbunden.

In anderen EWR-Staaten werden österreichische StudienabsolventInnen jedoch ab sofort automatisch den AbsolventInnen der dort vorgesehenen ärztlichen Grundausbildung (Studium oder Studium und postgraduelle Basisausbildung) gleichgestellt. In einigen Staaten, z.B. Deutschland, beinhaltet dies eine selbständige Berufsberechtigung, in anderen, z.B. Frankreich, nur das Recht zur Absolvierung einer Facharztweiterbildung unter Aufsicht. Diese Änderung bewirkt, dass alle österreichischen StudienabsolventInnen, die nach Deutschland migrieren, dort eine deutsche Approbationsurkunde erhalten.

Achtung: Diese ist in Österreich nicht anerkennungsfähig, sondern gilt nur für die Tätigkeit im Gastland! AbsolventInnen des österreichischen Medizinstudiums, die aufgrund des „Ius migrandi“ in Deutschland eine Approbation erworben haben, können nicht als approbierte ÄrztInnen in die österreichische Ärzteliste eingetragen werden.

AbsolventInnen des österreichischen Medizinstudiums, die in einen anderen EU-Staat migrieren, wird auf Wunsch eine EU-Konformitätsbescheinigung vom internationalen Büro der Österreichischen Ärztekammer ausgestellt. Kosten: 35 Euro.

Das gelobte Land: das Ausland

Die Österreichische Ärztekammer hält Informationen zur Anerkennung unseres Diploms in verschiedenen Ländern und wichtige Links zum Thema “Arbeiten im Ausland” bereit.

Du möchtest dein Glück im Ausland ohne unseren Turnus versuchen, aber nicht gleich tausende Kilometer von deiner Familie und deinen Freunden entfernt sein? Auch in der Nähe gibt es einige Möglichkeiten, denn mit der Schweiz und Deutschland liegen zwei Länder mit deutscher Amtssprache nicht weit weg.

Schweiz

Wenn du mit dem Schwyzerdütsch keine Probleme hast, eine gute Ausbildung erhalten und noch dazu verhältnismäßig viel Geld verdienen möchtest, bist du hier vermutlich richtig. Zu erwähnen ist allerdings das ungleich höhere Arbeitspensum, das du als Arzt/Ärztin in der Schweiz bewältigen musst.

Die Schweiz erkennt ausländische Diplome der universitären Medizinalberufe an, wenn mit dem betreffenden Staat ein Abkommen besteht. Dies ist bei den Staaten der EU und EFTA der Fall. Das heißt: hast du in Österreich studiert, ist es im Grunde kein Problem, dein Studium in der Schweiz anerkennen zu lassen. Die Gebühr für die Bearbeitung eines Antrages auf Diplomanerkennung (inkl. Plastikkarte) beträgt 680,- Franken. Eine Hilfestellung und Wegleitung (so nennt man in der Schweiz die Leitfäden) erhältst du auf der Webseite der Medizinalberufekommission MEBEKO: www.bag.admin.ch/themen/berufe

  • Allgemeine Informationen zur ärztlichen Ausbildung in der Schweiz: www.fmh.ch/bildung-siwf.html
  • Liste mit allen Weiterbildungsstätten: www.siwf-register.ch
  • Eine Übersicht über freie Stellen inklusive guter Suchfunktion nach Fach- und Standort findest du auch hier: www.fmhjob.ch (FMH = Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte).

Deutschland

Unsere nördlichen Nachbarn wurden die letzten Jahre aufgrund ihres eigenen fortschreitenden Ärztemangels von einer steigenden Zahl an österreichischen Turnusflüchtlingen beehrt. Die Palette an Erfahrungsberichten im Freundes-, Bekannten- und Verwandtenkreis ist lang und beinhaltet unterschiedlich positive Urteile. Die Ausbildung muss in Deutschland nicht überall besser sein als bei uns. Schwarze Schafe/Stationen können überall versteckt sein. Vertraue hierbei auf Berichte von StudienkollegInnen der höheren Jahrgänge, die vor dir fertig geworden und nach Deutschland ausgewandert sind – es finden sich immer mehr davon! Auch auf nextdoc kannst du dich mit Deutschland-MigrantInnen austauschen: www.nextdoc.at/forum.

Um in Deutschland ärztlich tätig werden zu dürfen, ist eine Meldung bei der örtlich zuständigen Approbationsbehörde nötig. Weitere Informationen gibt es unter folgendem Link  der Österreichischen Ärztekammer:www2.aerztekammer.at/service/ACW/ARBEITEN_IN_DEUTSCHLAND.pdf

In die USA auswandern

Solltest du wirklich weit weg wollen und zum Beispiel das strukturierte und weltweit mit einem sehr guten Ruf behaftete Ausbildungssystem der USA nutzen wollen, sind im Vorfeld der Auswanderung einige Dinge zu erledigen.

Dazu gehört die positive Absolvierung des mehrstufigen USMLE (United States Medical Licensing Examination), welcher Vorklinik, klinisches Wissen, Fertigkeiten und die Kommunikation in Englisch prüft. Weitere Informationen dazu: www.ecfmg.org

Alternative Karriere

Wenn es mit der Bewerbung als Turnus- oder Assistenzarzt/ärztin wider Erwarten partout nicht klappen will oder du während des Studiums zur Erkenntnis gelangt bist, dass du eigentlich gar kein Arzt/keine Ärztin sein willst: nicht jede/r MedizinerIn muss auch als Arzt/Ärztin arbeiten! Abseits der Wege gibt es zunehmend neue Perspektiven. Es bedarf sicher einiges an Mut, um von dem klassischen Berufsbild abzuweichen und sich alternative Berufsfelder zu erschließen, das Risiko kann sich aber lohnen.

Pharmareferent/in

PharmareferentInnen sind als wissenschaftliche MitarbeiterInnen für ein Pharmaunternehmen im Außendienst tätig und beraten ÄrztInnen, HausapothekerInnen und ApothekerInnen über die Arzneispezialitäten ihres Unternehmens. KlinikreferentInnen (in der Regel ein Pharmareferent/eine Pharmareferentin mit längerer Berufserfahrung) ist für die Beratung von SpitalsärztInnen zuständig.

Die Ausbildung zum/r Pharmareferent/in ist in Österreich im Gegensatz zu anderen Ländern nicht sehr genau geregelt. Um die Tätigkeit ausüben zu dürfen, muss die

Pharmareferentenprüfung abgelegt oder ein Studium im einschlägigen Bereich (z.B. Humanmedizin oder Pharmazie) abgeschlossenwerden.

Genauere Informationen sind auf der Website des Verbands der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) abrufbar:www.pharmig.at

Vorteile dieses Berufes sind die freie Einteilung des Tagesablaufes unter Rücksichtnahme auf die Ordinationszeiten der ÄrztInnen und die vergleichsweise abwechslungsreiche Tätigkeit, welche durch Kongresse, Ärzteveranstaltungen, Schulungen und dergleichen noch gefördert wird.

Medizinjournalist/in

Da sich medizinische Themen in den Medien einer immer größeren Beliebtheit erfreuen, sind JournalistInnen mit medizinischem Hintergrundwissen sehr gefragt. Diese können anspruchsvoll und gleichzeitig für Laien verständlich über die Medizin berichten.

Der Tätigkeitsbereich erstreckt sich von Fernsehen, den Printbereich (Magazine, Tageszeitungen oder Fachzeitschriften), Online-Zeitschriften und Portale rund um Medizin und Gesundheit bis hin zum Hörfunk. MedizinjournalistInnen sollten unter Zeitdruck arbeiten können, die Ideen lesbar, verständlich und dabei kreativ zu Papier bringen können und kein Problem damit haben, auf Menschen zuzugehen und Interviews zu führen.

Den Zugang zum Journalismus erreicht man meist über ein Praktikum bei Presse, Rundfunk oder Agenturen. Es mag von Vorteil sein, Aufbau- oder Nebenstudiengänge zum Thema Journalismus zu belegen, Pflicht sind diese allerdings nicht.

Public Health

Public Health ist laut WHO die „Wissenschaft und Praxis der Krankheitsverhütung, der Lebensverlängerung und Förderung physischen und psychischen Wohlbefindens durch bevölkerungsbezogene Maßnahmen.“ Es ist zweifellos ein Arbeitsfeld mit Zukunft. Die Ausbildung hat hohe Anforderungen und eignet sich am besten für AbsolventInnen mit beruflicher Vorerfahrung, frühzeitige praktische Tätigkeiten sind hier sicher von Vorteil, z.B. freie Mitarbeit oder ein Praktikum bei Projekten in der Forschung bzw. Wahl eines geeigneten Dissertationsthemas. Als Arzt/Ärztin arbeitest du im interdisziplinären Team mit PsychologInnen, PädagogInnen, WirtschaftswissenschafterInnen und JuristInnen zusammen.

Tätigkeitsfelder: epidemiologische Forschung, die Entwicklung von Gesundheitsförderpro- grammen, die Gesundheitsberatung oder das Management von Entwicklungshilfeprojekten.

In diesem Bereich ist eine hohe geographische und fachliche Flexibilität gefragt.

Management und Wirtschaft

Die Tätigkeiten in der Krankenhaus- bzw. Privatwirtschaft sind vielfältig und beinhalten zum Beispiel Consulting, Medical Manager, Health Manager, Gesundheitsmanagement oder Krankenhauscontrolling. Als Berater/in benötigt man definitiv hohe Flexibilität, sowohl zeitlich als auch örtlich. Arbeitswochenzeiten von 80 Stunden können bei wichtigen Projekten und Terminen durchaus vorkommen. Die Aufstiegsmöglichkeiten und das Honorar sind jedoch ein großer Anreiz. Auch das Arbeitsklima ist laut KollegInnen besser als die hierarchischen Strukturen in der Klinik.

Forschung

Arbeitsgebiete: Forschungsinstitute, Biotech-Firmen, Pharmaindustrie.

Flexibilität ist gefragt. Arbeitszeiten sind immer stark vom Projekt abhängig. Harte Konkurrenz und Ellbogen-Methoden gehören in der Wissenschaft zum Alltag. Nicht umsonst heißt es oft: publish or perish.

Bundesheer

Der Heeresarzt findet seinen Weg in die Rubrik “Alternative Karriere”, weil dieser Weg nicht vielen AbsolventInnen bekannt ist. Das Österreichische Bundesheer (ÖBH) hat seinen Fokus auf fertige AllgemeinmedizinerInnen und FachärztInnen gerichtet, ist also nicht primär für die Ausbildung gedacht. Anders ist dies z. B. in Deutschland, wo man dem  Heer  bereits vor dem Studium seine Seele verkaufen kann und im Gegenzug auch mit einem ungünstigeren Abitur-Notenschnitt einen Medizinstudienplatz erhält.

Weitere Informationen zum ärztlichen Weg im Bundesheer finden sich auf der Ärzteseite des ÖBH: http://aerzte.bundesheer.at

 

Das Leben der TurnusärztInnen

Der Krankenhausalltag

Im folgenden Abschnitt werden einige wiederkehrende Situationen vor allem aus dem Alltag eines/r Turnusarztes/Turnusärztin vorgestellt, die jedem vielleicht bekannt vorkommen werden. Die Vorschläge, die du hier findest, sollen dir aber auch eine Anregung sein, etwas Eigenverantwortung für deine Ausbildung zu übernehmen.

Lern’ was Gescheites!

Sollte es noch so sein, dass deine Arbeit hauptsächlich aus Tätigkeiten wie Blutabnehmen oder Venflon legen besteht, dann kündige so bald du kannst. Denn: mittlerweile ist in den meisten Krankenhäusern nicht mehr vorgesehen, dafür TurnusärztInnen zu missbrauchen.

Solltest du dich mit deinem Schicksal jedoch abfinden oder einfach gerne später ein/e gute/r Stecher/in werden wollen, dann versuche dich zumindest über die Diagnose- und Behandlungsmethoden in deinem Krankenhaus auf dem Laufenden zu halten. Du kannst Untersuchungsalgorithmen für die häufigsten Aufnahmegründe erarbeiten und dir, deinen NachfolgerInnen, NeueinsteigerInnen und nicht zuletzt deinen OberärztInnen das Leben erleichtern. Diese werden von Krankenhaus zu Krankenhaus und vielleicht sogar von Station zu Station etwas variieren. Gewisse Symptome oder Syndrome werden gewisse Untersuchungen nach sich ziehen.

Es hilft sehr, wenn man sich solche sich wiederholende Prozeduren und Gedankengänge notiert. Du könntest mit solchen Notizen NeueinsteigerInnen eine große Hilfe sein. Genauso könntest du dir eine Tabelle von den häufigsten Behandlungsformen erarbeiten.

Oft kann man spitalseigene Behandlungsformen bei der Visite oder im Nachtdienst aufschnappen und vorsichtig bei der nächsten Gelegenheit selbst anwenden.

Cave: Überlege dir auf jeden Fall im Vorhinein, warum du dies oder jenes gemacht oder nicht gemacht hast, um dein Vorgehen später begründen zu können.

 

Fortbildungen

Versuche Fortbildungen jeder Art regelmäßig zu besuchen. Insgesamt sind 150 Punkte für das Fortbildungsdiplom, das man nach Erhalt des jus practicandi bekommt, zu sammeln. Auf www.meindfp.at kann man einsehen, wie viele Punkte man schon am Konto hat. Neben abteilungseigenen Fortbildungen gibt es oft alle paar Wochen von Pharmafirmen gesponserte Vorträge, Vorlesungen oder „Fallstudien“. Aber hier gilt wie sonst auch in der Medizin, alles zu hinterfragen, denn Pharmafirmen haben meist einen Grund, weshalb Sie Vorträge veranstalten: den Absatz von Medikamenten zu steigern. Als Gegeninitiative zu bezahltem Essen gibt es die Initiative www.mezis.de. Allerdings ist der soziale Wert solcher Veranstaltungen nicht zu unterschätzen.

E-Learning

Auch online gibt es mittlerweile Fortbildungen, die man praktischerweise 24/7 absolvieren kann. Im Anschluss an ein Video müssen meist Fragen beantwortet  werden und bei positiver Absolvierung werden die DFP-Punkte gleich auf das Konto gebucht. Fachfilmfortbildungen gibt’s z.B. auf www.vielgesundheit.at/fb/dfp.html

Spezialdiplome

Eine weitere Möglichkeit, Fortbildungspunkte zu sammeln, sind die Spezialdiplome. In umfangreichen Kursen, oft über ein Jahr oder mehr verteilt, sammelt man Wissen und Fertigkeiten zu einem speziellen Thema. Sei es Psychosomatische- und Psychotherapeutische Medizin (PSY-Diplome), Höhen- und Expeditionsmedizin oder Schmerztherapie. Neben dem für die Praxis oft sehr hilfreichen Wissen machen sich Zusatzdiplome gut im Lebenslauf und sind ein Pluspunkt für jede Bewerbung. In manchen Fällen zahlen Arbeitgeber für bestimmte Diplome auch etwas dazu. Eine Übersicht über die Diplome und die Anbieter findet sich auf der Webseite der Akademie der Ärzte:
www.arztakademie.at/oeaeknbspdiplome-zertifikate-cpds/oeaek-spezialdiplome

Kommunikation im Krankenhausalltag

Um im Krankenhaus halbwegs glücklich zu werden, ist eines essentiell: die richtige Kommunikation. Versuche auf jeden Fall, an deinen kommunikativen Fähigkeiten zu arbeiten, es könnte sich bezahlt machen und dich vor Kopfschmerzen, übermäßigem angepiepst werden und vielleicht auch vor dem einen oder anderen Gerichtsverfahren bewahren.

So einleuchtend die nachfolgenden Punkte auch scheinen, im Turnusalltag halten wir uns nur selten daran. Der Grund dafür könnte sein, dass wir unter Stress und im Frust einfach anders reagieren als am Strand von Kula Lua mit einem Bahama Mama bei der Hand. Trotzdem bleibt uns nichts anderes übrig, vorausgesetzt wir wollen an unserem Charakter und an unseren Manieren feilen, uns ein paar Überlegungen hierzu zu machen.

Generell, je freundlicher, zuvor- und entgegenkommend du zu allen MitarbeiterInnen tagtäglich bist, umso leichter wirst du durch den Turnus kommen. Denn der Moment, in dem du komplett auf fremde Hilfe angewiesen bist oder einen schweren Fehler machst, wird schneller kommen als du denkst. In solchen Phasen ist es dann Gold wert, wenn wohlgesinnte KollegInnen für einen in die Presche springen oder decken.

Der richtige Umgang mit dem Pflegepersonal

Versuche einige Grundregeln zu beachten. Einige von diesen wirst du schon aus deinen Famulaturzeiten kennen.

Pro

  • Stelle dich bei allen MitarbeiterInnen vor.
  • Hinterlasse alles so sauber und aufgeräumt wie möglich, lass niemals Nadeln oder scharfe Gegenstände herumliegen.
  • Verlange vom Pflegepersonal nicht etwas, wozu sie möglicherweise nicht qualifiziert sind, wie z.B. Medikamente i.v. verabreichen. Manche kommen dir in diesem Punkt entgegen, andere nicht. Halte dich im Zweifel an die im Haus bestehenden Regeln.
  • Versuche herauszufinden, welche Person für welche PatientInnen zuständig ist. Manchmal gibt es ein farbkodiertes System, dass du dir mal anschauen solltest.
  • Lächeln trägt zum Allgemeinwohl bei, entschärft mögliche Konflikte und steigert das Wohlbefinden: also lächle!
  • Hilf anderen MitarbeiterInnen bei Tätigkeiten, die nicht unbedingt dein Tätigkeitsfeld abdecken und sie werden dich vielleicht lieben. Beispiel: Schwester versucht während der Visite, ein Bett alleine ins Zimmer zu schieben. Oder Pflegende versuchen PatientInnen am Gang umzubetten und man sieht, dass sie sich schwer tun. Alleine das Angebot kann zwischenmenschliche Wunder bewirken. In der Praxis erprobt und für gut befunden!

Contra

  • Andere wie Menschen zweiter Klasse behandeln.
  • So tun, als wäre all das medizinische Wissen nur dir zu Teil geworden.
  • Nach dem Anpiepsen nicht rasch genug zurückrufen, bzw. nicht rasch genug kommen, wenn der Hut brennt.
  • PatientInnen Sachverhalte nicht gründlich genug erklären bzw. das Pflegepersonal über wichtige Veränderungen den Patienten/die Patientin betreffend in Unkenntnis lassen.
  • Keine Manieren, kein ordentliches Benehmen oder keine guten Umgangsformen an den Tag legen.

Der richtige Umgang mit RadiologInnen

RadiologInnen sind sehr wichtige Leute. Sie verdienen es, mit so viel relevanter Patienteninformation wie möglich versorgt zu werden. Bei Anamnese sollten immer die Verdachtsdiagnose und eventuell bedeutende Details aus der Krankengeschichte vermerkt sein. Auch sehr hilfreich können der aktuelle Kreatinin/GFR- und TSH-Wert vor CT-Untersuchungen sein, da CT-Untersuchungen mit Kontrastmittel eine gesunde Niere und Schilddrüse voraussetzen. Je wichtiger und außergewöhnlicher die Untersuchung, desto mehr Details natürlich. Stichworte wie akut oder dringlich verstehen sich von selbst.

Manchmal kommt es auch vor, dass du am Abend oder in der Nacht im Dienst für jemanden mit Schlaganfall oder zunehmender Verwirrung sicherheitshalber ein CT haben möchtest. Da ist es dann notwendig mit viel Raffinesse, Wissen über den Patienten/die Patientin und triftigen Gründen erklären zu können, weshalb gerade jetzt dringend ein bildgebendes Verfahren durchgeführt werden soll und nicht erst am nächsten Tag.

Der richtige Umgang mit PatientInnen

Da sich alles um die PatientInnen dreht, solltest du sie immer mit dem allergrößten Respekt und mit Fürsorge behandeln. Achte bei der Anamnese darauf hartnäckig nachzufragen, manchmal beantworten PatientInnen Fragen nach Erkrankungen oder Allergien erst auf aktives Nachhaken, wenn es ihnen nicht sofort einfällt oder sie nicht aufgepasst haben. Gib ihnen jedoch auch genügend Zeit zum Nachdenken, nicht jeder hat seine Krankengeschichte und Medikamente sofort im Kopf parat. Sei freundlich, auch wenn es stressig ist und sei ehrlich, wenn du über etwas nicht Bescheid weißt.

Der richtige Umgang mit den Vorgesetzten

Jede/r Primar/ia hat seine/ihre Eigenheiten, versuche diese bald herauszufinden und dich daran zu orientieren. Seien es Besonderheiten bei der Patientenvorstellung während der Visite, bestimmte Therapien, Blutparameter oder Untersuchungstechniken.

Nütze besonders Visiten und Besprechungen, um positiv aufzufallen und mit- und vorauszudenken, vielleicht möchtest du dich nach zwei Monaten schon um eine Stelle bewerben. Nimm auch Ratschläge und Kritik an und verteidige dich sachlich, wenn du zu Unrecht kritisierst wirst, jedoch nie vor PatientInnen .

Der richtige Umgang mit TurnuskollegInnen

Sie sind zweifellos die wichtigsten KollegInnen im Krankenhaus. Sie machen genau das selbe durch wie du und verstehen dich und deine Probleme am besten. Versuche dich ins Team zu integrieren, gründet Chatgruppen auf Whatsapp, um die Kommunikation untereinander zu erleichtern und trefft euch auch außerhalb des Krankenhauses auf das eine oder andere kühle Getränk. Engagiere dich und bringe deinen KollegInnen nach dem Nachtdienst ein kleines Frühstück oder Kaffee mit. Hilf anderen, wenn sie nicht mehr weiter wissen oder können. Und biete deine Hilfe bei der Dienstplanerstellung oder Fortbildungen an. Je mehr du investierst, umso mehr wirst du am Ende auch zurück bekommen.

Der erste Tag

Nun ist es soweit. Du hast das Medizinstudium absolviert und hast auch hoffentlich irgendwo eine Stelle als Turnusärztin oder Turnusarzt bekommen. Aller Anfang ist bekanntlich schwer. Du bist nicht allein – du bist ein kleines, aber essentielles Zahnrad in der Krankenhaushierarchie, die auch dann ganz reibungslos funktioniert, wenn du noch nicht den vollen Überblick hast.

Sich vorstellen

Man kann es nicht oft genug erwähnen: am ersten Tag solltest du dich natürlich vorstellen, das kennen wir immerhin schon gut aus diversen Famulaturen. Stell dich bei allen KrankenhausmitarbeiterInnen vor, die du so am Gang triffst. Keiner soll dich für arrogant halten, nur weil du in Wirklichkeit vielleicht ein wenig verunsichert bist. Also sei selbstbewusst. Lass dich von ignoranten und gelangweilten Blicken des Abteilungspersonals nicht entmutigen.

Wer kann dir helfen?

Eine Menge Leute können dir im Krankenhaus behilflich sein. An erster Stelle stehen die TurnuskollegInnen. Die meisten helfen dir gerne, denn sie wissen: du wirst ihnen vielleicht bald selbst hilfreich zur Seite stehen. OberärztInnen und AssistentInnen: auch sie wissen, dass du neu im Laden bist und helfen dir ebenfalls recht gerne, denn: du wirst sie schon bald von einer Menge Arbeit erlösen. PflegerInnen: Viele von ihnen machen den Job schon recht lange und sehen schon von weitem, dass du ganz neu im Spital bist.

 

Viele Probleme ergeben sich daraus, dass man nicht fragt. Wenn dich irgendeine Unsicherheit quält: Frage!

Überblick verschaffen

Merke dir die wichtigsten administrativen Aufgaben, um nicht wiederholt die selben Fragen stellen zu müssen und versuche dir so früh wie möglich einen Überblick über deine Abteilung zu verschaffen.

  • Wo gibt es Untersuchungsräume?
  • Wo steht das Blutgasgerät und das EKG?
  • Telefonliste besorgen bzw. wichtige Nummern notieren
  • Einschulung zu Notfallkoffer, Defi, EKG und Blutgasgerät einfordern, wenn nicht angeboten
  • Wo sind die einzelnen Stationen und wie kann man sie telefonisch erreichen. Setz dich mit einem Kollegen hin und schreib dir eine Liste der wichtigsten Telefonnummern.
  • Wo sind die OPs?
  • Gibt es Gemeinschafts- oder Ruheräume?
  • Wo gibt es etwas zu essen? Wo ist die Kaffeemaschine? Und wo das WC?

Ausrüstung

Nichts ist ärgerlicher und schwieriger, als die Zeit zwischen acht und neun Uhr ohne Stauband zu überleben. Sorge dafür, dass du immer alles bei dir hast, um nicht kostbare Zeit mit Herumlaufen zu vergeuden. Folgende Gegenstände sollen immer bei dir sein:

Unbedingt notwendig

  • mindestens zwei Kugelschreiber
  • ein Notizbuch oder -block
  • ein Stethoskop
  • ein Lamperl
  • Pager oder Mobiltelefon (evtl. nur, wenn du Dienst hast)

Fallweise notwendig

  • ein Reflexhammer
  • ein Stauband, -schlauch
  • ein Holzspatel
  • ein EKG-Lineal
  • Pocketcards für das jeweilige Fach
  • Verbandsschere

Beschrifte alle deine Habseligkeiten, so gut es geht. Für das Stethoskop kannst du z.B. ein Patientenarmband nehmen – oder lass dir stilvoll deinen Namen eingravieren, bevor du es bestellst.

Die Visite

Auf der Visite kann man eine Menge lernen, wenn man nur lästig genug dahinter ist. Schreib Dosierungen und Verschreibungen mit. Nach ein paar Monaten hast du dann vielleicht eine nette Liste zur Pharmakotherapie erstellt, die dir zum Beispiel im Nachtdienst weiterhilft.

Versuche, über folgende Punkte immer auf dem Laufenden zu sein:

  • Name, Alter, Datum und Grund der Aufnahme
  • Veränderungen der Befindlichkeit
  • neueste Befunde (Labor, Röntgen, CT)
  • Plan für die Zukunft (Weiterbehandlung, Entlassung, evtl. Wiederbestellung)

So schindest du nicht nur Eindruck bei vor deinem Vorgesetzten, sondern du bist auch bei deinen KollegInnen und beim Pflegepersonal hoch im Kurs. Letzteres hat übrigens oft einen recht übersichtlichen “Stationsspiegel”, in dem die wichtigsten Informationen über alle PatientInnen kurz zusammengefasst sind.

Der erste Nachtdienst

Vor dem ersten Nachtdienst hat jeder ein mulmiges Gefühl. Meistens wird er jedoch nicht zum befürchteten Alptraum. Falls du noch nicht ganz überzeugt bist, hier ein paar kleine Tipps, wie du es trotzdem überlebst.

Vor dem Dienst

Setz dich vor deinem Nachtdienst mit KollegInnen zusammen, um den Ablauf der Nacht durch- zugehen und notiere dir immer unbedingt auf einem Schummelzettel, was auf der Station zu tun ist. Aus dem Studium ist uns schließlich bekannt, dass geistige Notizen schnell wieder weg sind. Eventuell erklären sich KollegInnen bereit, die wichtigsten „Nachtdienstprobleme“ und deren Behandlung durchzubesprechen. Du kannst dir auch einen Nachtdienstleitfaden kaufen oder für das Smartphone herunterladen. Lege dir außerdem eine Telefonliste der am häufigsten gebrauchten Nummern zu, um diese schnell verfügbar zu haben und deine Zeit nicht mit der Suche danach zu verschwenden. Dies kann dir in einigen Situationen unnötigen Stress ersparen. Und ganz wichtig, du musst über die wichtigsten Medikamente gut Bescheid wissen. Wir haben für dich überblicksmäßig einige häufig eingesetzte Medikamente kurz zur Erinnerung zusammengefasst.

Wichtige Medikamente für den Nachtdienst

Schlafmedikamente

oral

Wirkstoff Handelsname anwenden bei cave
Baldrian Baldrian Tropf./Drag. leichten Einschlafst.
Kräuter Passedan Tropfen leichten Einschlafst. Alkoholhältig
Triazolam Halcion 0,25 mg Einschlafstörungen 2-5h HWZ
Lorazepam Temesta 1 mg Durchschlafstörungen 12 h HWZ
Alprazolam Xanor 1 mg Durchschlafst., Unruhe ½ Dosis bei CNI, 12h HWZ
Diazepam Gewacalm 2/5/10 mg Agitation, Nervosität 24-48h HWZ (!)
Zolpidem Zoldem 10 mg Einschlafstörung resp. Insuff., ältere PatientInnen
Prothiphendyl Dominal forte 80 mg Nervosität, Einschlafst.
Risperidon Risperdal quicklet agitierte PatientInnen HKL-Erkr., Parkinson, Demenz

 

Cave 1: Generell muss bei allen Benzodiazepinen (-am) darauf geachtet werden, dass der PatientInnen weder an Myasthenia gravis leidet, noch Schlaf-Apnoeiker ist oder eine Leberfunktionsstörung hat. Älteren PatientInnen nur die halbe Dosis verordnen, um paradoxe Wirkungen zu vermeiden.

 

Cave 2: Schlaflosigkeit bzw. Verwirrtheit kann gerade bei älteren PatientInnen sehr viele Ursachen wie Exsikkose, Zystitis oder Hypotonie haben. Also auch immer diese Möglichkeiten, die mit Flüssigkeit oder einem Antibiotikum effektiver behandelbar sind, im Hinterkopf behalten.

 

Schmerzmedikamente

oral

Wirkstoff Handelsname anwenden bei cave
Paracetamol Mexalen 500 mg geringen Schmerzen, Kindern, Schwangeren lebertoxisch
Ibuprofen Seractil 300 mg mittleren Schmerzen GI-Blutung
Mefenaminsäure Parkemed 500 mg mittleren Schmerzen GI-Blutung
Metamizol Novalgin 1g Krämpfen, starken Schmerzen Agranulozytose

 

intravenös

Wirkstoff Handelsname gut bei aufpassen
Paracetamol Paracetamol 1g in KI geringen Schmerzen, Kindern, Schwangeren lebertoxisch
Metamizol Novalgin 1g in KI Krämpfen, starken Schmerzen Agranulozytose, RR-Abfall
Diclofenac Neodolpasse (enthält auch Orphenadrin) nach OP, starken Schmerzen GI-Blutung, Leber, Niere, Herz
Piritramid Dipidolor 15 mg starken Schmerzen Ateminsuffizienz, fehlende Steuerung bei s.c.-Gabe

 

Bitte beachte, dass sämtliche Indikationen, Nebenwirkungen und Dosierungsangaben ohne Gewähr sind und selbst im Einzelfall nachgeprüft werden müssen.

Während des Dienstes

Falls du es bis jetzt noch nicht getan hast, stelle dich nun bei den MitarbeiterInnen der Stationen, die du in der Nacht zu betreuen hast, vor. Sag ruhig, dass das dein erster Dienst ist. Frage nochmal nach, wann du zu den Routinerunden (zum Beispiel Bedarfsmedikation abzeichnen) kommen sollst.

Vor dem Schlafen gehen solltest du auf jeder der von dir zu betreuenden Stationen eine Art kleine Nachtvisite absolvieren. Hierbei schau, ob folgende Punkte erledigt sind:

  • Ist die analgetische Therapie ausreichend/ist sie erforderlich?
  • Ist die schlafinduzierende Therapie ausreichend/ist sie erforderlich? (Signiere in der Kurve die von dir angeordneten Medikamente)
  • Frage, ob es noch etwas zu erledigen gibt, das nicht bis zum Morgen warten kann
  • Sage dem Pflegepersonal, dass man dich anpiepsen/ anrufen soll, wenn ein/e Patient/ in Anlass zur Sorge gibt.
  • Wenn du in der Nacht geweckt wirst, gib dein Bestes, nicht mürrisch zu klingen, selbst wenn es sich um ein kleineres Problem handelt. Paradoxerweise vermindert diese Maßnahme die Anrufe in der Nacht.
  • Sage allen (Gähnen nicht vergessen!), dass du die kommenden Stunden ein bisschen an der Matratze horchen möchtest.

 

Wenn es stressig wird

Zu viele Aufnahmen gleichzeitig, Rettungen, Zuweisungen sind auszufüllen, Pflegepersonal das wissen möchte, ob der Patient/die Patientin ein Schmerzmedikament haben darf und so weiter und so fort. Ab und zu kann es passieren, dass man nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht. Gerade im Dienst kann man dabei an seine Leistungsgrenzen gehen.

Lasse andere wissen, wenn du dich sehr überlastet fühlst, versuche nicht in Verhaltensformen wie Stille, Trotz, Zynismus oder Arroganz zu verfallen. Die KollegInnen helfen meistens recht gerne, wenn sie wissen, was mit dir los ist. Meist gibt es auch TurnuskollegInnen im Dienst, die vielleicht gerade weniger zu tun haben und dir gerne helfen, und sei es nur beim Beantworten von fachlichen Fragen, die einem schon sehr viel helfen können. Es gibt immer Leute, die dir helfen. Verzichte nicht aus Stolz oder Arroganz auf diese Hilfe.

Es gibt sicher letztendlich eine Menge weiterer Problemsituationen im Turnus, die wir mit der „richtigen Einstellung“ etwas besser bewältigen könnten. Schließlich ist es meistens diese positive Einstellung, die uns Dinge verändern oder optimieren lässt, die wir vielleicht vor kurzem noch als „so und  nicht  anders“ hingenommen  haben.

Falls du mit Situationen konfrontiert bist, in denen du dich überfordert fühlst, kontaktiere den Hauptdienst und bitte ihn um Rat. Mit der Zeit wächst dann auch dein Selbstvertrauen. Aber Vorsicht: Halte Deinen Hauptdienst weiterhin immer auf dem Laufenden.

 

Vergiss’ auf jeden Fall nicht, selbst genug Flüssigkeit und Nahrung zu  dir  zu  nehmen, auch wenn es stressig ist. Ein paar Minuten Ess- und Trinkpause lassen die Gesundheitsversorgung im Umkreis auch nicht  zusammenzubrechen,   sie   bewahren  eher  dich  vor  dem  Zusammenbrechen.

Was tun bei?

Sturz aus dem Bett

Bodycheck, Röntgen, eventuell CT, Ursache für Sturz erheben und neuerliches Stürzen vermeiden (Schutzgitter, weiche Matratzen am Boden auslegen, Schlafmedikation überprüfen)

 

Plötzliches Fieber

Fieber messen, RR messen, Blutkultur abnehmen, Entzündungsparameter abnehmen, gegebenfalls Antibiose prüfen

 

Akute Verwirrtheit

Vitalwerte überprüfen, Medikamente überprüfen, ev. Labor/BGA. Gerade bei alten Menschen können geringfügige Änderungen (Exsikkose, Harnwegsinfekt, Hypotonie) Verwirrung auslösen.

Atembeschwerden

Pulsoxymetrie anhängen, körperliche Untersuchung (blaue Lippen, Atmung, Herztöne) Vitalwerte, Krankengeschichte prüfen, EKG, Labor, BGA

Nach dem Dienst

Je nachdem, wie die letzte Nacht wirklich war, überkommt einen die Müdigkeit. Jeder kommt mit dem Schlafdefizit auf seine Weise zurecht. Bei weniger als 3-4 Stunden Schlaf sollte man sich gleich hinlegen, jedoch nie länger als bis zu Mittag schlafen, sonst gibt es am Abend große Probleme beim Einschlafen. Hat man mehr als vier Stunden geschlafen, kann auch nur ein Mittagsschläfchen genügen oder einfach frühes zu Bett gehen. Ganz wichtig: nie vergessen, den Wecker einzuschalten, sonst wacht man im schlimmsten Fall mitten in der Nacht auf und kann nicht mehr einschlafen.

Man kann auch Rituale entwickeln, wie nach dem Dienst frühstücken oder laufen gehen.

Der erfahrene Turnusarzt/Die erfahrene Turnusärztin

Je länger man sich an einer Abteilung aufhält, desto mehr gehen die täglichen Abläufe in Fleisch und Blut über. Viele Tätigkeiten werden selbstverständlich, man ist gut ins Team integriert und hat sich vielleicht auch schon einen gewissen Ruf erarbeitet. Diese Erfahrung kann nützen, um als Turnusärztesprecher/in jüngere KollegInnen gut zu vertreten oder einfach gut auszubilden und an die neue Tätigkeit heranzuführen. Dennoch sollte man nicht vergessen, wie es am Anfang war und versuchen, den neu zum Team dazustoßenden Kollegen den Einstieg etwas leichter zu gestalten. Zum Beispiel:

  • ermutigen, Fragen zu stellen
  • versuchen, den Stationsalltag näher zu bringen
  • selbst nachfragen, ob alles klar ist
  • neue KollegInnen im Team vorstellen
  • versuchen, FamulantInnen in den Stationsalltag einzubinden

Rechtliches

Auch TurnusärztInnen müssen sich mit den rechtlichen Aspekten ihrer Tätigkeit befassen, schließlich muss man wissen: Was darf ich tun? Was darf ich nicht tun? Was darf ich delegieren? Im Endeffekt sollte man wissen: Papier ist geduldig und der Hausgebrauch steht über jeder Anordnung. Selbstverständlich kann man sich auf Gesetze und Weisungen des Hauses berufen, nur wirst du schnell merken, dass auch das Pflegepersonal ganz genau weiß was es tun muss oder auch nur kann, wenn es möchte. Deswegen passe dich den Gepflogenheiten gerade am Anfang besser an, um nicht unnötig Ärger auf dich zu laden. Man kann auch Rechte einfordern, nur der Mensch ist ein Gewohnheitstier und wenn es bis dato Gewohnheit war, dass der Turnusarzt/die Turnusärztin bei der Visite nicht dabei ist, damit er Aufnahmen machen kann, dann ist es schwer aber nie unmöglich, dagegen anzukämpfen.

Rechte der Turnsärztinnen im Rahmen der Ausbildung

Arbeitszeit

Seit 01.01.2015 gilt ein neues Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz (KA-AZG), das prinzipiell eine durchschnittliche 48h-Woche auch für Spitalsangestellte vorsieht und die maximale Wochenarbeitszeit auf 60h begrenzt. Bis 2018 kann man noch “ausoptieren” und sich eine durchschnittliche 60h Woche mit maximal 72h pro Woche genehmigen. Gerade während der Ausbildung kann man sich überlegen, ob einem das der Erfahrungszugewinn (sofern damit einhergehend) Wert ist. Jedoch sollte man berücksichtigen, dass ein aus-ausoptieren, also ein Zurückwechseln auf die 48h, erst ab dem nächsten Durchrechnungszeitraum möglich ist, und dann auch nur, wenn man dies spätestens acht Wochen vor dessen Beginn kundtut.
Des weiteren darf man ohne Zustimmung des Arbeitnehmers nicht mehr als sechs Dienste pro Monat absolvieren. Genaueres dazu, wie z.B. die Dauer des Durchrechnungszeitraumes, steht auch in der Betriebsvereinbarung, frag daher am Besten deinen Betriebsrat oder Turnusarztsprecher.

Supervision

Die externe Supervision im Ausmaß von 2h pro Monat wird eigentlich im Rasterzeugnis bestätigt, findet jedoch nicht in allen Ausbildungsstätten statt. Es lohnt sich, darauf hinzuweisen – mit ein bisschen Glück wird einem dieses Recht zugestanden.

Weitere Rahmenbedingungen zur Ausbildungsqualität finden sich auch im Ärztegesetz: www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10011138

 

Ärztliche Tätigkeiten

  • Miteinbeziehung in den stationären Ablauf und somit volle Teilnahmen an allen patientenbezogenen Entscheidungsfindungsprozessen, dazu zählt als Hauptpunkt eine verpflichtende Teilnahme an Hauptvisiten wie auch die Teilnahme an allen patientenbezogenen Besprechungen (z.B. Morgen- und Röntgenbesprechungen)
  • Ermöglichung der Präsentation der betreuten PatientInnen im Rahmen der täglichen Abteilungsbesprechung
  • Führung von PatientInnen, zum Beispiel unter fachärztlicher Aufsicht
  • Aufnahme, Anamnese und klinische Untersuchung des Patienten/der Patientin
  • Assistenz bei Operationen
  • Erstbeurteilung und Erste-Hilfe-Maßnahmen bei vitalen Notfällen
  • Legen von arteriellen Zugängen, Verabreichung von Chemotherapeutika und Blutprodukten und alle übrigen im Rahmen der Ausbildung erlernten diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen
  • Ärztliche Dokumentation (Arztbrief, Mitarbeit bei der Organisation und Dokumentation medizinischer Abläufe, jedoch keine Codierung und elektronische Erfassung ambulanter Leistungen)
  • Miteinbeziehung in den ambulanten Ablauf nach erfolgter Anleitung
  • Ermöglichung der Teilnahme an den jeweiligen diagnostischen und therapeutischen Eingriffen – auch fächerübergreifend

Delegierbare ärztliche Tätigkeiten (§15 GuKG)

 

Folgende ärztliche Tätigkeiten können innerhalb der Ausbildungsstätte im Routinefall nach ärztlicher Anordnung dem gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege übertragen werden:

 

  • Verabreichen von i.v.-Medikation in Infusionsform
  • Verabreichung von i.m.-Injektionen und Subkutaninjektionen
  • Legen von Dauerkathetern und Magensonden
  • Absaugungen im Mund- und Rachenraum
  • Klammern- und Nahtentfernung, sowie das Anlegen, Abnehmen und die Korrektur von Gipsverbänden
  • Legen peripherer venöser Zugänge

 

Nicht turnusärztliche Tätigkeiten

Die Durchführung folgender Tätigkeiten obliegt innerhalb der Ausbildungsstätte im Routinefall dem gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege beziehungsweise dem jeweils zuständigen nichtärztlichen Personal:

  • Pflege und Dokumentation von Venenkanülen, harnableitenden Kathetern, Magensonden, PEG-Sonden, zentralvenösen und epiduralen Kathetern
  • Blutabnahme aus der Vene
  • Spülen von Infusionsleitungen und Abhängen von Infusionen
  • Beschriften sowie Bekleben von Blutröhrchen, das Einordnen von Befunden
  • Durchführung einfacher laborchemischer Befunderhebungen
  • Fiebermessung
  • Puls- und Blutdruckmessung
  • EKG-Schreiben
  • Zubereitung von Medikamenten, Infusionslösungen, Chemotherapeutika
  • Terminvereinbarungen, Befundabfragungen und Arztbriefanforderungen können nur in jenen Fällen Aufgaben des Turnusarztes/der Turnusärztin sein, in denen eine persönliche ärztliche Kontaktaufnahme notwendig ist. Ansonsten ist für derartige Tätigkeiten anderes geeignetes Krankenhauspersonal heranzuziehen. Das Gleiche gilt für administrativ-organisatorische Tätigkeiten.
  • Darüber hinaus sei die Begleitung von Sekundärtransporten eine ärztliche Tätigkeit, die den zur selbständigen Berufsausübung befugten ÄrztInnen vorbehalten ist, und daher keine turnusärztliche Tätigkeit.

Die Prüfung für Allgemeinmedizin

Der Turnus ist vorbei. Was früher (vor 1996) mit einem automatischen Erhalt des Jus practicandi geendet hat, wird nun mit einer Allgemeinmediziner-Prüfung abgeschlossen.

Die Prüfung wird vier mal pro Jahr in den Räumlichkeiten der Landesärztekammern durchgeführt. Die Prüfung erfolgt schriftlich in Form von Short-Answer-Questions (SAQ). Insgesamt sind rund 25 Fallbeispiele zu lösen.

Spätestens fünf Wochen vor dem gewünschten Termin muss die Anmeldung per Post, Fax oder E-Mail in der zuständigen Landesärztekammer erfolgen. Zum Zeitpunkt der Anmeldung muss der Kandidat/die Kandidatin eine praktische ärztliche Ausbildung im Ausmaß von mindestens 30 Monaten nachweisen. Spätestens zwei Wochen vor dem gewünschten Termin erhält der Kandidat/die Kandidatin die Anmeldebestätigung. Für die Prüfung sind 405,- Euro zu berappen.

Wichtig: Fahrtgeld und Prüfungsgebühr sind beim Steuerausgleich am Ende des Jahres absetzbar!

Auf die Prüfung gibt es keine Noten, sie wird mit bestanden oder nicht bestanden beurteilt. Das Ergebnis wird nach spätestens acht Wochen schriftlich bekannt gegeben, telefonische Auskünfte werden nicht erteilt.

Hat es wider Erwarten nicht geklappt, kann eine neuerliche Anmeldung direkt an der Österreichischen Akademie der Ärzte bis spätestens zwei Wochen vor dem gewünschten Prüfungstermin erfolgen.

Früher (vor 1. Juli 2013) war es möglich, die Turnus-Prüfung unbegrenzt zu wiederholen. Nun sind die Antrittsmöglichkeiten auf fünf mal beschränkt, wobei der letzte (fünfte) Prüfungsantritt als kommissionelle mündliche Prüfung abgehalten wird.

Linktipp:→ www.arztakademie.at

 

Büchertipps für den Turnus

Niemand hat immer jede Dosierung zu jedem erdenklichen Medikament im Kopf, vor  allem wenn es sich um Präparate handelt, die nicht oft verschrieben werden. Für die ersten Nachtdienste und das Turnusleben an sich gibt es kleine Helferlein, die mit Rat, Tat und Algorithmen zur Seite stehen, wenn das Latein mal ausgeht. Damit sind natürlich nicht putzige Heinzelmännchen gemeint, sondern übersichtliche und kitteltaschenfreundliche Bücher.

Rufbereit im Nachtdienst (Marshall et al.)

Die Nacht im Spital ist eine Ausnahmesituation im Leben des Turnusarztes/der Turnusärztin. Das gleiche Personal, das dir am Tag mit Rat und Tat zur Seite gestanden ist, liegt nun im warmen Bett zu Hause und verschwendet in ihren süßen Träumen keinen Gedanken mehr an dich und deine Sorgen. Dieses Buch behandelt diese besondere Situation und wartet mit einigen wertvollen Tipps und Ratschlägen auf.

Oxford Handbook of Clinical Medicine (Wilkinson et al.)

Einer der Klassiker der medizinischen Fachliteratur. Hier steht so ziemlich alles, was man für den Arztberuf braucht. (vgl. “Das schlaue Buch”; Fähnlein Fieselschweif)

weitere Literatur

Immer nützlich sind gute EKG-Kenntnisse, die auf fast jeder Station Pluspunkte bringen. Dafür ist u. a. das weit bekannte “EKG für Isabel” von Schuster et al. sehr zu empfehlen. Fachspezifische Checklisten/Kompendien oder Pocket Guides sind ebenfalls praktisch.

 

 

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