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Rezension – Man muss kein Freund von Telefonbüchern sein, um den Herold zu mögen. Zugegeben: neben dem gleichen Namen zeigt das Buch ein durchaus ähnliches Bild wie unser berühmtes österreichisches Telefonbuch. Zu verwechselbar sind die hauchdünnen Seiten mit Beschädigungsgefahr beim Umblättern und die schmucklose innere Aufmachung.

Allerdings wäre ein Vergleich vermessen! Der Herold würde aufgrund seiner handlichen – man möchte meinen fast kittelfreundlichen Größe – niemals eine gute Figur als Türstopper oder Kleeblattaufbewahrer machen. Außerdem ist er nicht dauerhaft gelb und erscheint jedes Jahr in einer anderen Farbe. Erwähnenswert sind außerdem die vielen interessanten medizinischen Sachen, die drinstehen.

Genauer gesagt handelt es sich hierbei um eines der Standardlehrwerke, quasi den Goldstandard der Inneren Medizin im deutschen Sprachraum.

Zielgruppe und Aufmachung

Angefangen im 2. Jahr im Rahmen des ersten Kontakts zur Inneren Medizin, des weiteren Studiums als auch des ärztlichen Schaffens – der Herold ist für alle da.

Außen farbig, innen schwarz weiß: wer sich ein farblich durchgestaltetes Lehrbuch mit vielen Bildern aller möglichen Krankheitsmanifestationen erwartet, muss an dieser Stelle aufhören, diese Rezension zu lesen. Bis auf das Cover und die Rückseite des Buches ist keine einzige farbige Illustration zu finden. Dies ist am Anfang etwas ungewohnt, aber später, wenn man in diversen Veranstaltungen der Uni einige Sachen sowieso schon bis zum Erbrechen gesehen hat sind viele – und dazu zählt auch die Autorin dieses Artikels – dankbar, alles übersichtlich gegliedert ohne mittendrin steckende platzfüllende Bilder stehen zu haben.

Inhalt und Didaktik

Die Innere Medizin ist hier in verständlichen Fakten aufgeschlüsselt, die durch die sinnvolle Gliederung und das Fehlen unnötiger Nebensätze – wie dieser hier einer ist – schnell auffindbar sind. Dinge, die man davor irgendwo zeitraubend im Riesenwälzer gesucht hat und in ewig langen Sätzen erst herauspicken musste, stehen hier kurz und prägnant (manchmal im Telegrammstil) an ihrem logischen Platz.

Ein wesentlicher Vorteil gegenüber anderen Standardlehrbüchern liegt in der alljährlichen Aktualisierung inklusive unterschiedlichem äußerlichen Farbanstrich pro Ausgabe. Wer eine ansprechende Farbe in seinem Regal stehen haben will – letztes Jahr (2012) war der Herold in einem wirklich hübschen Violett gehalten. Die 2013er-Version ist jedoch ockerfarben. Man wird sehen, welche Farbe Gerd Herold und Co. noch in ihrem Repertoire haben, muss man doch annehmen, dass sie sich mit der Zeit wiederholen.

In der groben inhaltlichen Gliederung unterscheidet sich der Herold im Wesentlichen nicht von anderen Lehrbüchern und ist nach Organsystemen geordnet. In dem umfangreichen Stichwortverzeichnis am Schluss lässt sich alles mögliche meist mit Erfolg finden. Der Herold ist neben der deutschsprachigen Ausgabe in 14 anderen Sprachen, darunter Englisch, Persisch, Griechisch und Ungarisch, erschienen.

MUW und Relevanz

Die Relevanz für das Medizin Curriculum Wien an der MUW ist unbestreitbar. Mit diesem Buch ist das Bestehen des Inneren Tertials, der alten SIP 5 und natürlich der neuen SIP4a nicht in Abrede zu stellen. Auch in den organspezifischen Blöcken im zweiten Studienjahr ist der Herold für einige Studenten gut zu gebrauchen.

Ein Problem könnte das Verirren in der ungeheuren Informationsdichte des Herolds und der Verlust des Lernfokus auf das wie übliche wenige SIP-Wesentliche darstellen. Aber kaum ein Silbe ist es nicht wert, nicht gelesen zu werden. Zu hoch ist der “Aha!”-Effekt, wenn man sich durch die einzelnen Kapitel kämpft. Den Frust, sinnloses Detailwissen zu lesen, wie es oftmals in diversen Blockbüchern der MUW der Fall ist, gibt es beim Herold nicht. Wichtig ist, was drinnen steht.

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Jeder lernt anders, das ist klar! Wer gerne mit farbigen Illustrationen und Bildern lernt, ist bei dem Herold an der falschen Adresse. Für alle anderen ist das Buch sehr gut geeignet, um viel und vor allem effektiv vom Kerngebiet der Medizin zu lernen.

Mit 47 Euro im Einzelhandel ist das Geld für diese Informationsdichte auf jeden Fall gut angelegt, jedoch – könnte man meinen – für die schwache Qualität von Einband und Seiten etwas überzogen. Jedoch: die Liebe zum Wissen übersteigt mit der Zeit das Materielle. Nur Achtung, wer immer am alleraktuellsten Stand sein möchte, der Herold 2016 erscheint in Kürze!

Weil er ein absoluter Klassiker der deutschsprachigen Innere-Bücher ist, erhält der Herold ganze 5 von 5 Sternen.

PF

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