angst-807726_960_720

Blog – Jetzt ist es soweit. Seit Kurzem bin ich nervös. Mehrmals täglich rechne ich mir aus, wie viel Zeit ich noch habe und überlege Stift- und Kleiderwahl. Außerdem muss entschieden werden, wie Traubenzucker und Koffein dosiert bzw. – nach eingehender Beschäftigung mit den Klopausen – konsumiert werden. Meinen Lernpartnern geht es ähnlich. Eine gewisse Nervosität steht auch ihnen mittlerweile ins Gesicht geschrieben, wenn man wieder über Zellatmung redet oder sich überlegt, ob es einen Trick gibt, sich diese dummen Figuren besser vorzustellen. Was uns alle wahnsinnig macht, sind falsche Antwortbögen. Überhaupt finde ich es ziemlich eindrucksvoll, wie es denn möglich ist, dass es die größten Anbieter für überteuerte Vorbereitungskurse schaffen, jede vierte Lösung mit Sicherheit falsch anzugeben.

975630_10152934862595037_1036724126_nWie ihr merkt, werde ich nicht nur nervös, sondern aufgrund gelegentlicher Merkschwierigkeiten richtig grantig. Gott sei Dank kann ich mich da auf meinen Online-Test verlassen, da ich es ja bis zum heutigen Tage noch nicht einmal geschafft habe, mir zu merken, was jetzt wirklich zum Test kommt. Außerdem bin ich vor ein paar Tagen darauf gekommen, dass man als Nicht-EU-Bürger statistisch gesehen die besten Chancen hat, einen Platz zu ergattern. Und das sagt ihr mir erst jetzt!

Rein rechnerisch und mit viel Phantasie – ich bilde mir ja noch immer ein, dass viele gar nicht lernen – steht meine Chance ca. eins zu acht, einen der 600 Plätze zu ergattern.

In den letzten viel zu schönen Tagen habe ich übrigens Physik abgeschrieben. Ich mag Physik nicht und Physik mag mich nicht. Also eine einvernehmliche Trennung. Ich weiß, sehr utopische Herangehensweise, aber ich muss mich eher auf die anderen Gebiete konzentrieren und dafür sorgen, dass ich mir irgendwelche Orbitale und mathematische Formeln wieder merke.

Trotz alle dem und obwohl mich alle Medizinerfreunde fragen, ob ich denn wahnsinnig bin, freue ich mich schon extrem auf das Studium. Allein die intensivere Beschäftigung mit Biologie und sogar mit Chemie hat mir wieder gezeigt: „Das ist es!“ Klingt wildromantisch, ich weiß, aber nach drei (!) anderen angefangenen Studien ist es eine ziemliche Erleichterung zu wissen, was ich wirklich studieren will.

Einige Bekannte haben mich außerdem gefragt, ob es denn eine sinnvolle Idee wäre, in meinem Alter ein Medizinstudium zu beginnen. Sechs Jahre Studium, Turnus, Facharzt und Co. werden sicher nicht lustiger im ‚höheren‘ Alter. Trotzdem spätestens seit dem letzten Klassentreffen, wo noch keiner recht wusste, was er eigentlich wirklich machen will, ob er in dem Job bleibt oder doch noch etwas anderes studiert, weiß ich: solange man das Richtige findet, kann es gar nicht „zu spät“ sein. Das klingt jetzt alles, als wäre ich hundert, aber ich habe schon einige in der Vorbereitungszeit getroffen, die wirklich eher zu den „Spätberufenen“ gehören. Was für einen Elan und welche Freude man an den Tag legen kann, wenn man sich erst einmal in der Wahl des Studiums sicher ist, finde ich sehr, sehr cool. Und selbst wenn man den Test zuvor schon mal nicht geschafft hat, sich dennoch wieder aufzuraffen, um das alles zu lernen, finde ich sehr beeindruckend und toll.

 Also bis nächste Woche,

Alles Gute!

Elli

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *